Kompetenzzentrum Lunge & Zwerchfell
Seltene Erkrankungen mit Expertise behandeln
Das Kompetenzzentrum Lunge & Zwerchfell der Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) behandelt angeborene Zwerchfellhernien (CDH), Lungenfehlbildungen wie CPAM, Sequester und bronchogene Zysten sowie Lungentumoren im Kindes- und Jugendalter. Von der vorgeburtlichen Diagnose bis zur lebenslangen Nachsorge versorgen wir seltene und komplexe Erkrankungen des Brustkorbs – koordiniert aus einer Hand.
Die Versorgung beginnt bereits vor der Geburt: Über unser Zentrum für Fetalchirurgie (DZFT) beraten und begleiten wir Familien pränatal, bei Bedarf einschließlich vorgeburtlicher Eingriffe (FETO). Operationen an Zwerchfell und Lunge sowie bei Lungentumoren erfolgen in der Regel minimal-invasiv – klassisch thorakoskopisch oder roboterassistiert mit dem da Vinci Xi, auch bei komplexen Befunden.
Hohe Fallzahlen ermöglichen sichere Operationen und eine evidenzbasierte Behandlung. Darauf aufbauend haben wir eine multidisziplinäre, lebenslange Nachsorge etabliert, die nicht nur die postoperative Kontrolle umfasst, sondern alle Begleiterkrankungen und Bedürfnisse der Betroffenen: mit Kindergastroenterologie und Ernährungsberatung, Kinderpneumologie, Logopädie, Physio- und Ergotherapie, Kinderorthopädie, Kinderneurochirurgie, Kinderpsychologie (ZI Mannheim), Entwicklungsdiagnostik und Anbindung an unser Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ).
Um die Behandlung von CDH und Lungenfehlbildungen kontinuierlich zu verbessern, führen wir internationale klinische Studien und Grundlagenforschung durch.
Für zuweisende Ärztinnen und Ärzte
Schnelle Anbindung für Praxen und Kliniken
Sie betreuen ein Kind mit Verdacht auf oder gesicherter Zwerchfellhernie, einer Lungenfehlbildung oder einem Lungentumor? Wir beraten Sie und die Familien kurzfristig – pränatal wie postnatal –, übernehmen die operative Versorgung und die weiterführende Nachsorge und binden Ihre Patientinnen und Patienten anschließend wieder an Sie als wohnortnahe Betreuung an.
Zuweisernummer: 0621 383 4681
Fachliche Anfragen lunge@umm.de oder cdh@umm.de
Kontakt
Sprechstunde
Leitung Nachsorge: Dr. med. Richard Martel & PD Dr. med. Julia Elrod
CDH-Fellow: Dr. med. Ophelia Aubert
CDH-Lotsin: Thu Ha Nguyen
Unser Thorax-Team
Prof. Dr. med. Boettcher, PD Dr. med. Klinke-Petrowsky, PD Dr. med. Elrod, Dr. med. Martel, Dr. med. Aubert, Frau Nguyen
Sprechstundentermine können online (Doctolib) oder telefonisch unter +49 621 383-3665 vereinbart werden.
Pränatalberatung: Anfragen zur vorgeburtlichen Beratung bitte an Prof. Dr. med. Michael Boettcher m.boettcher@umm.de.
Kontakt: Betroffene und Eltern können sich per E-Mail direkt an unsere Teams lunge@umm.de oder cdh@umm.de wenden.
Prof. Dr. med. Michael Boettcher, Direktor
Leistungsspektrum
Was wir anbieten
Unser Behandlungsspektrum umfasst neben der Diagnostik das gesamte Spektrum der modernen Lungen- und Zwerchfellchirurgie:
- Fetalchirurgie inklusive FETO (Fetoscopic tracheal occlusion) sowie Drainage bzw. Koagulation bei sehr großen CPAM-Befunden.
- Minimal-invasive Korrektur angeborener Zwerchfellhernien (CDH)
- Selektive Entfernung von Lungenfehlbildungen (CPAM, Sequester)
- Präzise Resektion von Lungentumoren und Metastasen
- Sanierung erworbener Raumforderungen
- Endokrine Thoraxchirurgie
- Operative Behandlung von Folgezuständen angeborener Zwerchfellhernien und Lungenfehlbildungen, z. B. minimal-invasive Anti-Reflux-Operationen oder Verschluss von Rezidiv-Zwerchfelllücken
- Interdisziplinäre CDH-Study-Group für herausfordernde Fälle und außergewöhnliche Verläufe
- Hochspezialisierte Kinderanästhesiologie mit 5.000 Kindernarkosen / Jahr
- Kinderradiologie mit ultra-low-dose-CT und Niederfeld-MRT
- Lebenslange, multidisziplinäre und patientenorientierte Nachsorge
Erkrankungen
Schwerpunkte
Unsere besondere Expertise
Unsere besondere Stärke ist die minimal-invasive Chirurgie von Zwerchfelldefekten und angeborenen Raumforderungen der Lunge. Auch Begleiterkrankungen – etwa Hiatushernien, ausgeprägten gastroösophagealen Reflux oder Rezidiv-Zwerchfellhernien – versorgen wir überwiegend minimal-invasiv (roboterassistiert). Für große Zwerchfelldefekte haben in den letzten Jahren mit Hilfe von neuen Patch-Techniken das Risiko eines Rezidivs deutlich senkt – von über 20% auf aktuell 7%.
An unsere Klinik ist ein überregionales Kinderintensivzentrum mit Lungenersatzverfahren (ECMO) angeschlossen. Dabei übernimmt vorübergehend eine Maschine die Funktion der Lunge und versorgt den Körper mit Sauerstoff, bis sich die Lunge erholt hat. Bei uns wurden bereits fast 1.000 Kinder mit ECMO behandelt. Eltern bleiben dabei direkt (IMC) oder ganz in der Nähe (im Elternhaus) bei ihrem Kind.
Wir arbeiten eng mit dem Eltern- und Betroffenenverein CDH und dem ECMO Verein zusammen. Diese Partnerschaft hilft, Familien mit seltenen Erkrankungen bestmöglich zu begleiten, Erfahrungswissen weiterzugeben und die Versorgung nachhaltig zu verbessern.
Bei fortgeschrittenen Lungentumoren und Metastasen bilden wir das gesamte chirurgische und interventionelle Spektrum ab und arbeiten eng mit Kinderonkologie, Kinderpneumologie, Endoskopie und interventioneller Radiologie zusammen. Daher können wir auch sehr komplexe Konstellationen präzise und selektiv behandeln.
Qualität und Sicherheit
Strukturierte Qualitätssicherung
Komplexe Fälle besprechen wir interdisziplinär – in Tumorboards und in unserer CDH-Study-Group sowie im Pulmo-Board – und werten die Verläufe regelmäßig in Klinikkonferenzen im Sinne eines Benchmarks aus. Die Behandlung erfolgt innerhalb eines zertifizierten Zentrums. Über die Teilnahme an nationalen und internationalen Registern vergleichen wir unsere Ergebnisse fortlaufend mit anderen Zentren und entwickeln die Versorgung evidenzbasiert weiter.
Häufige Fragen
Antworten für Eltern und Zuweisende
Was ist eine angeborene Zwerchfellhernie (CDH)?
Bei einer angeborenen Zwerchfellhernie (englisch congenital diaphragmatic hernia, CDH) ist das Zwerchfell – die Muskelplatte zwischen Brust- und Bauchraum – nicht vollständig verschlossen. Bauchorgane können in den Brustkorb verlagert sein und die Lungenentwicklung beeinträchtigen. Die Erkrankung wird häufig schon vor der Geburt erkannt und erfordert eine spezialisierte Behandlung. Nach der Geburt kann sie sich durch Atemprobleme bemerkbar machen.
Was sind CPAM, Sequester und bronchogene Zysten?
Das sind angeborene Lungenfehlbildungen. Bei einer CPAM (kongenitale pulmonale Atemwegsmalformation, englisch congenital pulmonary airway malformation) ist Lungengewebe fehlgebildet; ein Sequester (englisch pulmonary sequestration) ist ein Lungenabschnitt ohne normale Anbindung an die Atemwege; bronchogene Zysten sind angeborene, flüssigkeitsgefüllte Hohlräume. Viele dieser Befunde lassen sich minimal-invasiv operieren.
Muss zur Operation der Brustkorb geöffnet werden?
In der Regel operieren wir minimal-invasiv, also über wenige kleine Zugänge: thorakoskopisch mit 3- oder 5-mm-Instrumenten oder roboterassistiert mit dem da Vinci Xi. Das schont Gewebe und führt zu kleineren Narben; ein großer Schnitt ist meist nicht erforderlich. Viele Kinder können bereits nach 2 Tagen nach Hause.
Was bedeutet ECMO?
ECMO (extrakorporale Membranoxygenierung) ist ein Lungenersatzverfahren: Eine Maschine übernimmt vorübergehend die Funktion der Lunge und versorgt den Körper mit Sauerstoff, bis sich die Lunge erholt hat. Unser angeschlossenes Kinderintensivzentrum ist auf dieses Verfahren spezialisiert.
Können wir uns schon vor der Geburt beraten lassen?
Ja. Wenn bei Ihrem Kind vorgeburtlich eine Zwerchfellhernie oder Lungenfehlbildung festgestellt wurde, beraten wir Sie gern pränatal. Anfragen richten Sie bitte an m.boettcher@umm.de; bei Bedarf sind über unser Zentrum für Fetalchirurgie auch vorgeburtliche Eingriffe (FETO) möglich.
Wie bekommen wir einen Termin – und wie überweisen Zuweisende?
Termine vereinbaren Sie online über Doctolib oder telefonisch unter +49 621 383-3665. Familien und zuweisende Ärztinnen und Ärzte erreichen unser Team außerdem per E-Mail unter lunge@umm.de oder cdh@umm.de.
Facts
Kennzahlen des Kompetenzzentrums für Lunge und Zwerchfellhernien (CDH / Lunge)
Primäre CDH-Operationen / Jahr
CPAM / Jahr
Sequester / Jahr
Menschen in der Nachsorge
* Lebenslange, Multimodale und interdisziplinäre Versorgung
Aktuelle Publikationen unseres Zentrums
Riedel J, Sturm K, Pascoe CD, Peukert N, Aubert O, Hiller GGR, Ai X, Boettcher M, Gosemann JH, Lacher M, Martinovic J, Benachi A, Wagner R. (2025) Macrophages Are Enriched Pre- and Postnatally in Hypoplastic Lungs from Patients with Congenital Diaphragmatic Hernia. Am J Respir Crit Care Med
Klinke M, Elrod J, Martel R, Schaible T, Nientiedt T, Boettcher J, Kohl T, Boettcher M. (2025) Prenatal Intervention in High-Risk CPAM: Postnatal Outcomes After Fetal versus Standard Surgery: A Propensity Score Matched Study. Eur J Pediatr Surg.
Beck L, Weiss C, Mohr C, Martel R, Klinke M, Rhee J, Zahn K, Schaible T, Boettcher M, Elrod J. (2025) Thoracoscopic Repair of Recurrent CDH is Associated with a Significantly Lower Complication Rate and Shorter ICU and Hospital Stay: A Prospective, Propensity Score-Matched Analysis. Eur J Pediatr Surg.
Jank M, Kraljevic M, Ozturk Aptekmann A, Patel D, Boettcher M, LeDuc R, Keijzer R. (2024) Validation and in silico function prediction of circtial1 as a novel marker of abnormal lung development in nitrofen-induced congenital diaphragmatic hernia (CDH). Pediatr Surg Int.
Jank M, Schwartz J, Miyake Y, Ozturk Aptekmann A, Patel D, Boettcher M, Keijzer R. (2024) Dysregulation of CITED2 in abnormal lung development in the nitrofen rat model. Pediatr Surg Int.


