Kompetenzbereich Ösophagus
Seltene Erkrankungen mit Expertise behandeln
Der Kompetenzbereich Ösophagus der Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) behandelt Kinder und Jugendliche mit angeborenen und erworbenen Erkrankungen der Speiseröhre – von der Ösophagusatresie über tracheoösophageale Fisteln und Spalten, Larynxspalten, Tracheomalazie und Achalasie bis zu Ösophagustumoren.
Unser Schwerpunkt ist die minimal-invasive Chirurgie der Speiseröhre – thorakoskopisch (3 mm) oder roboterassistiert mit dem da Vinci Xi – möglichst unter Erhalt der eigenen (nativen) Speiseröhre. Ist ein Ersatz nötig, bieten wir Verfahren wie den Schlauchmagenhochzug an. Im Falle einer Tracheomalazie führen wir (häufig schon bei der Primärkorrektur der Ösophagusatresie) eine dorsale Tracheopexie durch. Dies führt zu wesentlich besseren mittel- und langfristigen Verläufen. Um eine vollständige Behandlung aus einer Hand zu gewährleisten, führt unser Thorax-Team auch alle endoskopischen Eingriffe durch.
Hohe Fallzahlen ermöglichen sichere Operationen und eine evidenzbasierte Behandlung. Darauf aufbauend haben wir eine multidisziplinäre, lebenslange Nachsorge etabliert, die nicht nur die postoperative Kontrolle umfasst, sondern alle Begleiterkrankungen und Bedürfnisse der Betroffenen: mit zahlreichen Fachdisziplinen der Kindermedizin, Entwicklungsdiagnostik und Anbindung an unser Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ). Von der Diagnose über die Operation bis zur lebenslangen Nachsorge versorgen wir seltene und komplexe Erkrankungen der Speiseröhre koordiniert aus einer Hand.
Um die Behandlung von Ösophagusatresie kontinuierlich zu verbessern, führen wir internationale klinische Studien und Grundlagenforschung durch.
Für zuweisende Ärztinnen und Ärzte
Schnelle Anbindung für Praxen und Kliniken
Sie betreuen ein Kind mit Ösophagusatresie, einer tracheoösophagealen Fistel oder Spalte, einer Achalasie oder einem Ösophagustumor? Wir beraten Sie und die Familien kurzfristig, übernehmen die operative Versorgung und die weiterführende Nachsorge und binden Ihre Patientinnen und Patienten anschließend wieder an Sie als wohnortnahe Betreuung an.
Terminvereinbarung: Doctolib oder telefonisch +49 621 383-5574
Anfragen: oesophagus@umm.de
Kontakt
Sprechstunde
Leitung Nachsorge: Univ.-Prof. Dr. med. Michael Boettcher
Ösophagus-Lotsin: Morvarid Jones
Team Thorax
Prof. Boettcher, PD Klinke Petrowsky, PD Elrod, Dr. Martel, Dr. Aubert, Frau Jones
Sprechstundentermine können online (Doctolib) oder telefonisch unter +49 621 383-5574 vereinbart werden.
Pränatalberatung: Anfragen zur vorgeburtlichen Beratung bitte an Michael Boettcher m.boettcher@umm.de
Kontakt: Betroffene und Eltern können sich auch direkt an unser Team per E-Mail oesophagus@umm.de wenden.
Leistungsspektrum
Was wir anbieten
Unser Behandlungsspektrum umfasst neben der Diagnostik das gesamte Spektrum der modernen Ösophaguschirurgie:
- (Minimal-invasive) Operationen von Ösophagusatresie, Ösophagusstenosen und tracheoösophagealen Spalten
- Organerhaltende Rekonstruktion und – wenn nötig – Ersatzverfahren wie der Schlauchmagenhochzug
- Operative Behandlung von Ösophagustumoren
- Endoskopische Verfahren: Ösophagogastroduodenoskopie inkl. Ballondilatation, Stent und Impedanz-Sonden sowie Bronchoskopie
- Hochspezialisierte Kinderanästhesiologie mit 5.000 Kindernarkosen / Jahr
- Kinderradiologie mit ultra-low-dose-CT und Niederfeld-MRT
- Lebenslange, multidisziplinäre und patientenorientierte Nachsorge
- Multimodales Team mit Neonatologie, Kinderpneumologie, Kindergastroenterologie und Ernährungsberatung, Logopädie, Physio- und Ergotherapie, Kinderorthopädie, Kinderneurochirurgie und Kinderpsychologie (ZI Mannheim)
Erkrankungen
Schwerpunkte
Unsere besondere Expertise
Unsere besondere Stärke ist die organerhaltende, minimal-invasive Operation an der Speiseröhre – vor allem Ösophagusatresie und Tracheomalazie. Wir versuchen stets, die eigene Speiseröhre zu erhalten; ist das nicht möglich, kommen Ersatzverfahren wie der Schlauchmagenhochzug zum Einsatz. Darüber hinaus sind wir auf komplexe Tumorresektionen und interdisziplinäre, multimodale Therapiekonzepte bei fortgeschrittenen Befunden und Rezidiven spezialisiert.
- Ösophagusatresie
- Tracheoösophageale Fisteln
- Tracheomalazie
- Tracheoösophageale Spalten
- Achalasie
- Ösophagustumore
Bei fortgeschrittenen oder metastasierten Tumoren bilden wir die gesamte Tumorchirurgie ab und arbeiten interdisziplinär mit Endoskopie und Thoraxchirurgie zusammen. Ist eine systemische Therapie nötig, bieten wir zielgerichtete und immuntherapeutische Ansätze an – bei Bedarf im Rahmen klinischer Studien.
Wir arbeiten eng mit dem Eltern- und Betroffenenverein KEKS e. V. zusammen und engagieren uns im Projekt KEKS-NEXT. Diese Partnerschaft hilft, Familien mit seltenen Erkrankungen bestmöglich zu begleiten, Erfahrungswissen weiterzugeben und die Versorgung nachhaltig zu verbessern.
Qualität und Sicherheit
Zertifizierte, strukturierte Qualität
Unser Zentrum ist von der Patienten- und Elternorganisation KEKS für alle vier Module zertifiziert und zusätzlich ein jährlich von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziertes kinderonkologisches Zentrum. Komplexe Fälle besprechen wir interdisziplinär im Tumorboard; hohe Fallzahlen und die enge Zusammenarbeit im Kinderzentrum sichern eine gleichbleibend hohe Ergebnisqualität. Eltern bleiben dabei direkt (IMC) oder ganz in der Nähe (im Elternhaus) bei ihrem Kind.
Häufige Fragen
Antworten für Eltern und Zuweisende
Was ist eine Ösophagusatresie?
Bei einer Ösophagusatresie (englisch esophageal atresia, EA) ist die Speiseröhre angeboren nicht durchgängig – sie endet blind und ist nicht mit dem Magen verbunden; häufig besteht zusätzlich eine Verbindung zur Luftröhre (tracheoösophageale Fistel). Die Fehlbildung wird meist kurz nach der Geburt erkannt und operativ behandelt, möglichst unter Erhalt der eigenen Speiseröhre. Auffällig sind oft vermehrter Speichelfluss sowie Husten oder Verschlucken bei den ersten Mahlzeiten.
Was bedeutet „organerhaltend" – und was, wenn die eigene Speiseröhre nicht erhalten werden kann?
Wo immer möglich, rekonstruieren wir die eigene (native) Speiseröhre, statt sie zu ersetzen. Ist das nicht möglich, stehen Ersatzverfahren wie der Schlauchmagenhochzug zur Verfügung, bei dem aus Magengewebe eine neue Speiseröhre gebildet wird.
Muss zur Operation der Brustkorb geöffnet werden?
In der Regel operieren wir minimal-invasiv über wenige kleine Zugänge – thorakoskopisch mit 3-mm-Instrumenten oder roboterassistiert mit dem da Vinci Xi. Das schont Gewebe und führt zu kleineren Narben.
Was sind tracheoösophageale Fisteln und eine Tracheomalazie?
Eine tracheoösophageale Fistel (englisch tracheoesophageal fistula, TEF) ist eine angeborene Verbindung zwischen Speise- und Luftröhre. Bei einer Tracheomalazie (englisch tracheomalacia) ist die Luftröhrenwand zu weich und kann beim Atmen einfallen. Beide sind typische Begleitphänomene einer Ösophagusatresie und werden bei uns mitbehandelt.
Was ist eine Achalasie?
Bei einer Achalasie (englisch achalasia) öffnet sich der Muskel am Übergang von der Speiseröhre zum Magen nicht richtig, sodass Nahrung schlechter in den Magen gelangt. Sie äußert sich u. a. durch Schluckstörungen und lässt sich operativ behandeln.
Was bedeutet die KEKS-Zertifizierung?
KEKS ist die deutsche Patienten- und Elternorganisation für Kinder mit Speiseröhrenerkrankungen. Unser Zentrum ist für alle vier Module der KEKS-Zertifizierung anerkannt – ein Qualitätsnachweis für die Versorgung von Speiseröhrenerkrankungen.
Was passiert direkt nach der Geburt?
Nach der Geburt wird das Kind auf unsere neonatologische Intensivstation aufgenommen und innerhalb weniger Tage operiert.
Wie oft führen Sie die Operation der Ösophagusatresie durch?
Die primäre Korrektur einer Ösophagusatresie führen wir seit drei Jahren rund zehnmal pro Jahr durch. Als hochspezialisierte Klinik werden uns zusätzlich zahlreiche Kinder mit komplexen Konstellationen zugewiesen.
Welche Langzeitfolgen sind möglich – zum Beispiel Reflux oder Schluckprobleme?
Kurzfristig kann es zu einer Enge der Anastomose (der operativen Verbindungsstelle) kommen; diese lässt sich meist unkompliziert mit einer endoskopischen Ballondilatation behandeln. Reflux ist häufig ein Thema, das wir in der Nachsorgesprechstunde gut adressieren – nur sehr selten ist dafür eine operative Behandlung nötig.
Wie bekommen wir einen Termin – und wie überweisen Zuweisende?
Termine vereinbaren Sie online über Doctolib oder telefonisch unter +49 621 383-5574. Familien und zuweisende Ärztinnen und Ärzte erreichen unser Team außerdem per E-Mail unter oesophagus@umm.de.
Facts
Kennzahlen des Kompetenzzentrums Ösophagus
Publikationen unseres Zentrums
Boettcher, M., … Reinshagen, K. (2023). Clinical outcome, quality of life, and mental health in long-gap esophageal atresia: comparison of gastric sleeve pull-up and delayed primary anastomosis. Pediatric Surgery International
Armbrust L, Lenz M, Elrod J, Kiwit A, Reinshagen K, Boettcher J, Boettcher M. (2023) Factors Influencing Performance in Laparoscopic Suturing and Knot Tying: A Cohort Study. Eur J Pediatr Surg.
Loff, S., .. Boettcher, M. (2022). Esophageal Diameter as a Function of Weight in Neonates, Children and Adolescents: Reference Values for Dilatation of Esophageal Stenoses. Frontiers in Pediatrics
Mietzsch S, Bergholz R, Boettcher J, Klippgen L, Wenskus J, Reinshagen K, Boettcher M. (2020) Classical but Not Rap Music Significantly Improves Transferability and Long-Term Acquisition of Laparoscopic Suturing Skills: A Randomized Controlled Trial. Eur J Pediatr Surg
Bott, T. S, … Loff, S. (2019). Esophageal diameters in children correlated to body weight. European Journal of Pediatric Surgery


