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NOTFALL

Kinder-Notaufnahme (NOKI) des Universitätsklinikums Mannheim (UKMA)
Die Telefonnummer lautet: 0621/383-2504
Die NOKI befindet sich in Haus 29, Ebene 1

Wen ruft man im lebensbedrohlichen Notfall an?
Alarmieren Sie schnellstmöglich den Notarzt über die Telefonnummer: 112
Fahren Sie keinesfalls selbst ins Krankenhaus!

Wo stelle ich mich mit Notfällen vor?
Über die NOKI (Haus 29, Ebene 1) werden die Räumlichkeiten der Notfallpraxis in Haus 31 erreicht. Sie hat werktags von 16 bis 22 Uhr sowie am Wochenende von 8 bis 22 Uhr geöffnet .

Wo stelle ich mich mit dringlichen Notfällen vor?
Unsere NOKI des UKMA ist täglich durchgehend für Notfälle und
Schockräume im Haus 29, Ebene 1 geöffnet bzw. unter 0621 383-2504 erreichbar.

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International Patient Office

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Häufige Fragen (FAQ) zu angeborenen Lungenfehlbildungen

Ein umfassender Ratgeber für Eltern sowie für zuweisende Ärztinnen und Ärzte

Dieser Ratgeber beantwortet die häufigsten Fragen zu angeborenen Lungenfehlbildungen – CPAM, pulmonaler Sequester, bronchogene Zyste, kongenitale lobäre Überblähung und Bronchusatresie – entlang des gesamten Behandlungswegs: von der Diagnose vor der Geburt über Geburtsplanung und die Entscheidung „operieren oder beobachten?“ bis zur Operation und Nachsorge. Der Hauptteil richtet sich an Eltern; Teil 9 enthält kompakte Informationen für zuweisende Ärztinnen und Ärzte.

Kontakt Nachsorge

Nachsorge: Dr. med. Richard Martel
CDH/Lunge-Fellow: Dr. med. Ophelia Aubert
CDH/Lunge-Lotsin: Thu Ha Nguyen

Nachsorge und Terminvereinbarung: 0621 383-5574
Notfall und akute Rückfragen rund um die Uhr: 0621 383-1616

E-Mail: lunge@umm.de

Die Angaben dienen der Orientierung und ersetzen nicht die individuelle ärztliche Beratung. Behandlungsentscheidungen werden immer anhand der Befunde und des klinischen Verlaufs des einzelnen Kindes getroffen.

Medizinisch verantwortlich:

Prof. Dr. med. Michael Boettcher, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie der Universitätsmedizin Mannheim.

Fachlich beteiligte Bereiche: Pränatalmedizin und Fetalchirurgie, Geburtshilfe, Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin, Kinderradiologie, Kinderpneumologie, Kinderchirurgie, Kinderpathologie sowie die multidisziplinäre Nachsorge im Kompetenzbereich Lunge.

Redaktionsstand: August 2026. Die Inhalte werden regelmäßig sowie bei relevanten neuen Empfehlungen oder Studien aktualisiert.

Inhalt dieser Seite

Sie müssen nicht alles auf einmal lesen. Springen Sie zu dem Abschnitt, der für Sie gerade wichtig ist:

Sie finden Ihre Frage nicht? Sprechen Sie uns an – wir beantworten sie Ihnen persönlich.

Teil 1 – Die Grundlagen: angeborene Lungenfehlbildungen verstehen

Was ist eine angeborene Lungenfehlbildung?

Angeborene Lungenfehlbildungen sind seltene Entwicklungsstörungen der Lunge, die schon im Mutterleib entstehen. Ein umschriebener Teil des Lungengewebes wird dabei nicht normal angelegt – der Rest der Lunge ist gesund.

Unter dem Sammelbegriff werden mehrere Formen zusammengefasst: die CPAM, der pulmonale Sequester, die bronchogene Zyste, das kongenitale lobäre Emphysem und die Bronchusatresie. Sie unterscheiden sich darin, welcher Teil der Lungenanlage betroffen ist und woher das Gewebe sein Blut bekommt. Nicht selten kommen Mischformen vor.

Das Wichtigste vorweg: Die allermeisten Kinder mit einer angeborenen Lungenfehlbildung sind bei der Geburt völlig unauffällig, atmen normal und entwickeln sich normal. Der Befund wird heute fast immer zufällig im Schwangerschaftsultraschall entdeckt – lange bevor er Beschwerden macht.

Was ist eine CPAM?

CPAM steht für kongenitale pulmonale Atemwegsmalformation (englisch congenital pulmonary airway malformation). Früher wurde sie CCAM genannt (kongenitale zystisch-adenomatoide Malformation); beide Begriffe meinen dasselbe.

Bei einer CPAM ist ein Bezirk der Lunge zystisch umgebaut: Statt normaler Lungenbläschen finden sich dort mit Luft oder Flüssigkeit gefüllte Hohlräume. Man unterscheidet grob makrozystische Formen (wenige große Zysten) und mikrozystische Formen (viele winzige Zysten, im Ultraschall eher als heller, kompakter Bezirk sichtbar). Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sie beeinflusst, ob vor der Geburt eine Behandlung möglich ist.

Die CPAM hat eine normale Blutversorgung aus dem Lungenkreislauf und ist in der Regel mit den Atemwegen verbunden.

Was ist ein pulmonaler Sequester?

Ein pulmonaler Sequester (auch bronchopulmonale Sequestration) ist ein abgetrennter Bezirk Lungengewebe, der zwei Besonderheiten hat: Er bekommt sein Blut nicht aus dem Lungenkreislauf, sondern über ein eigenes Gefäß direkt aus der Körperschlagader – häufig aus der Aorta unterhalb des Zwerchfells. Und er hat meist keine normale Verbindung zu den Atemwegen.

Man unterscheidet den intralobären Sequester (innerhalb des normalen Lungenlappens gelegen, vom selben Rippenfell überzogen) und den extralobären Sequester (mit eigenem Rippenfellüberzug, manchmal sogar unterhalb des Zwerchfells liegend).

Das eigene, oft kräftige Versorgungsgefäß ist der Grund, warum ein Sequester operativ anders angegangen wird als eine CPAM – dieses Gefäß muss sicher dargestellt und verschlossen werden. Genau deshalb gehört der Eingriff in erfahrene Hände.

Was ist eine bronchogene Zyste?

Eine bronchogene Zyste ist ein angeborener, mit Flüssigkeit gefüllter Hohlraum, der aus einer Fehlabzweigung der embryonalen Atemwegsanlage entsteht. Sie liegt häufig im Mittelfell (Mediastinum) nahe der Luftröhre oder der großen Bronchien, seltener im Lungengewebe selbst.

Viele bronchogene Zysten machen jahrelang keine Beschwerden. Weil sie aber wachsen, sich entzünden oder – je nach Lage – auf einen Atemweg drücken können, wird die Entfernung in der Regel empfohlen.

Was ist ein kongenitales lobäres Emphysem?

Beim kongenitalen lobären Emphysem (auch kongenitale lobäre Überblähung) ist ein Lungenlappen übermäßig gebläht. Ursache ist meist ein Ventilmechanismus: Luft gelangt beim Einatmen hinein, kann beim Ausatmen aber nicht vollständig entweichen.

Diese Form fällt häufiger als die anderen schon in den ersten Lebenswochen durch zunehmende Atemnot auf, weil der überblähte Lappen die gesunde Lunge zusammendrückt. Dann ist eine zügige Operation nötig. Es gibt aber auch milde Verläufe, die stabil bleiben und beobachtet werden können.

Was ist eine Bronchusatresie – und was sind Hybridläsionen?

Bei einer Bronchusatresie ist ein Atemwegsast blind verschlossen. Das dahinterliegende Lungengewebe ist überbläht, und im Zentrum sammelt sich Schleim (Mukozele). Viele dieser Befunde werden zufällig entdeckt.

Von einer Hybridläsion spricht man, wenn Merkmale mehrerer Formen zusammentreffen – am häufigsten eine CPAM, die zusätzlich ein eigenes Gefäß aus der Körperschlagader besitzt, also Anteile eines Sequesters hat. Das ist keine Seltenheit und kein schlechtes Zeichen; es bedeutet vor allem, dass vor einer Operation die Gefäßversorgung genau dargestellt werden muss.

Wie häufig sind angeborene Lungenfehlbildungen?

Angeborene Lungenfehlbildungen sind selten. In einer aktuellen internationalen Übersichtsarbeit wird die Häufigkeit mit etwa 4 von 10.000 Lebendgeborenen angegeben. Bezogen auf rund 654.000 Geburten in Deutschland entspricht das etwa 250 bis 270 betroffenen Kindern pro Jahr. Die CPAM ist dabei die größte Einzelgruppe – nach den vorliegenden Schätzungen etwa 60 bis 80 Kinder pro Jahr; für den pulmonalen Sequester schwanken die Literaturangaben so stark, dass sich keine belastbare Jahreszahl nennen lässt.

Weil heute praktisch jede Schwangerschaft mit Ultraschall begleitet wird, werden sie deutlich häufiger entdeckt als früher – nicht, weil sie häufiger geworden sind, sondern weil man sie besser sieht. Ein großer Teil der heute diagnostizierten Befunde wäre vor dreißig Jahren nie aufgefallen.

Was sind die Ursachen – haben wir etwas falsch gemacht?

Nein. Sie haben nichts falsch gemacht, und Sie hätten es nicht verhindern können. Angeborene Lungenfehlbildungen entstehen sehr früh in der Schwangerschaft, wenn sich die Lunge aus dem embryonalen Vorderdarm entwickelt – meist lange bevor eine Schwangerschaft überhaupt bemerkt wird.

Die genauen Ursachen sind nicht abschließend geklärt. Es gibt keinen Zusammenhang mit Ernährung, Medikamenten, Sport, Stress oder Verhalten in der Schwangerschaft. In der Forschung werden umschriebene Veränderungen im Gewebe selbst untersucht; für die Beratung der Familie hat das derzeit keine praktische Bedeutung.

Ist eine Lungenfehlbildung erblich – und wie hoch ist das Risiko bei einem weiteren Kind?

Angeborene Lungenfehlbildungen treten fast immer einzeln und zufällig auf (sporadisch). Sie werden nach heutigem Kenntnisstand in aller Regel nicht vererbt, und das Risiko für ein weiteres Kind ist nicht relevant erhöht.

Anders kann es sein, wenn zusätzlich weitere Fehlbildungen vorliegen oder wenn in der Familie auffällige Befunde bekannt sind. In diesen Fällen bieten wir eine humangenetische Beratung an.

Wenn Sie eine weitere Schwangerschaft planen oder Fragen zur Genetik haben, wenden Sie sich gerne an unsere Humangenetik per E-Mail (susanne.boettcher@med.uni-heidelberg.de).

Teil 2 – Vor der Geburt: Diagnose und Schwangerschaft

Im Ultraschall wurde eine Auffälligkeit an der Lunge festgestellt – wie geht es weiter?

Zunächst: Ein auffälliger Ultraschallbefund ist kein Notfall. Sie haben Zeit, sich in Ruhe beraten zu lassen und die Geburt zu planen.

Sinnvoll sind als Nächstes ein Feindiagnostik-Ultraschall bei erfahrenen Pränatalmedizinerinnen und -medizinern und die Vorstellung in einem spezialisierten Zentrum. Dort wird geklärt: Um welche Form handelt es sich? Wie groß ist der Befund im Verhältnis zum Kind? Gibt es ein zusätzliches Gefäß aus der Körperschlagader? Wird das Herz verdrängt? Gibt es Hinweise auf weitere Fehlbildungen?

Danach werden Kontrollen in regelmäßigen Abständen vereinbart. Bei den meisten Kindern verläuft die Schwangerschaft völlig unauffällig.

Für eine Zweitmeinung oder Beratung zur Geburtsplanung erreichen Sie unser Team unter lunge@umm.de.

Was bedeutet der CVR-Wert?

Der CVR-Wert (CPAM volume ratio) setzt die Größe des Befundes ins Verhältnis zum Kopfumfang des Kindes. Er hilft einzuschätzen, wie sehr der Befund das Kind belastet – und ob eine Behandlung vor der Geburt sinnvoll sein könnte.

Als Orientierung gilt: Ein Wert unter 1,6 spricht für einen günstigen Verlauf. Ab einem Wert von 1,6 steigt das Risiko, dass sich eine Wassereinlagerung beim Kind entwickelt (Hydrops) – dann wird engmaschiger kontrolliert und eine Behandlung vor der Geburt erwogen.

Wichtig zur Einordnung: Der CVR ist eine Momentaufnahme und schwankt im Verlauf der Schwangerschaft. Die meisten Befunde wachsen bis etwa zur 26. Schwangerschaftswoche und bleiben danach gleich oder werden im Verhältnis zum wachsenden Kind kleiner. Eine einzelne Zahl ist deshalb nie die ganze Antwort.

Warum wird ein fetales MRT gemacht?

Ein MRT vor der Geburt ist strahlenfrei und für Ihr Kind nach heutigem Kenntnisstand ungefährlich. Es liefert Informationen, die der Ultraschall nicht immer zeigt: die genaue Ausdehnung des Befundes, das Verhältnis zum gesunden Lungengewebe, die Abgrenzung zu einer Zwerchfellhernie und Hinweise auf ein zusätzliches Versorgungsgefäß.

Der Befund ist im letzten Schwangerschaftsdrittel kleiner geworden oder verschwunden – ist er weg?

Das ist eine der häufigsten und wichtigsten Fragen – und die Antwort lautet meistens: nein, er ist mit hoher Wahrscheinlichkeit noch da.

Der Grund ist ein Bildphänomen: Etwa ab der 32. bis 34. Schwangerschaftswoche verändert sich das gesunde Lungengewebe so, dass es im Ultraschall genauso hell erscheint wie der Befund. Die Fehlbildung hebt sich dann nicht mehr ab – sie ist sonografisch unsichtbar, aber nicht verschwunden. Echte, vollständige Rückbildungen kommen vor, sind aber selten.

Deshalb wird nach der Geburt in aller Regel trotzdem eine Bildgebung durchgeführt, auch wenn der letzte Ultraschall unauffällig war. Eine Fehlbildung, die man für verschwunden hält, kann sonst Jahre später als Lungenentzündung, Pneumothorax oder Zufallsbefund wieder auftauchen.

Im Ultraschall oder MRT wurde eine Auffälligkeit festgestellt? Professor Weis beurteilt den Befund persönlich und ordnet ihn für Sie ein. Komplexe Fälle beraten wir in unserem wöchentlichen Fetalboard gemeinsam mit Pränatalmedizin, Geburtshilfe, Neonatologie und Kinderchirurgie. Kontakt: meike.weis@umm.de.

Kann die Lungenfehlbildung meinem Baby im Mutterleib schaden?

Bei den allermeisten Kindern nicht. Ein kleiner Teil der Befunde wird jedoch so groß, dass er das Herz zur Seite drängt und den Blutrückfluss behindert. Dann kann sich Flüssigkeit im Körper des Kindes einlagern – man nennt das Hydrops fetalis. Er ist das entscheidende Warnzeichen in der Schwangerschaft und der Grund, warum regelmäßig kontrolliert wird.

Ein Hydrops ist selten, aber ernst. Er ist gleichzeitig die Situation, in der eine Behandlung vor der Geburt am meisten bewirken kann. Deshalb gilt: Regelmäßige Kontrollen dienen nicht dazu, Sie zu beunruhigen, sondern dazu, diesen seltenen Fall rechtzeitig zu erkennen.

Welche Behandlungen sind vor der Geburt möglich?

Bei großen Befunden mit erhöhtem Risiko stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Welche infrage kommt, hängt vor allem davon ab, ob der Befund aus wenigen großen Zysten oder aus vielen winzigen Zysten besteht.

  • Kortison an die Mutter (Betamethason): bei überwiegend mikrozystischen, also aus vielen winzigen Zysten bestehenden Hochrisiko-Befunden.
  • Verschluss des Versorgungsgefäßes vor der Geburt (Laser- oder Radiofrequenzokklusion): bei einem pulmonalen Sequester, der so viel Blut aus der Körperschlagader erhält, dass er das Kind belastet oder bereits ein Hydrops entstanden ist. Dabei wird das zuführende Gefäß unter Ultraschallkontrolle gezielt verschlossen.
  • Punktion oder Ableitung einer dominanten Zyste (thorakoamnialer Shunt): bei einer einzelnen großen Zyste. Über einen dünnen Schlauch wird die Flüssigkeit dauerhaft in die Fruchthöhle abgeleitet, sodass sich die Lunge entfalten kann.
  • In sehr seltenen Einzelfällen: eine besondere Geburtsplanung (EXIT-Verfahren), bei der das Kind noch über die Nabelschnur versorgt wird, während die Atemwege gesichert werden.

Alle diese Verfahren kommen nur bei einer kleinen Minderheit der Kinder infrage. Für den Großteil der Familien lautet die Antwort: Es ist nichts zu tun außer kontrollieren – und das ist eine gute Nachricht.

Fragen zu möglichen vorgeburtlichen Eingriffen koordinieren wir über lunge@umm.de. Bei Bedarf binden wir Professor Kohl aus der Fetalchirurgie und die Geburtshilfe unmittelbar ein.

Können wir uns schon vor der Geburt beraten lassen?

Ja, und wir empfehlen es ausdrücklich. Wir besprechen den Befund mit Ihnen, ordnen ihn ein und sagen Ihnen ehrlich, was er für die Geburt und die ersten Lebenswochen bedeutet.

Anfragen zur vorgeburtlichen Beratung richten Sie bitte an lunge@umm.de. Wir koordinieren die beteiligten Fachbereiche; eine Beratung ist auch per Video möglich.

Wo sollte unser Baby zur Welt kommen?

Bei einem kleinen, unauffälligen Befund ohne Verdrängung ist eine Geburt in Ihrer Wunschklinik in der Regel unproblematisch – wichtig ist nur, dass die Kinderklinik den Befund kennt und die Bildgebung nach der Geburt organisiert wird.

Bei großen Befunden, bei Verdrängung des Herzens, bei Hydrops oder wenn eine Behandlung vor der Geburt stattgefunden hat, sollte die Geburt in einem Zentrum mit Neonatologie und Kinderchirurgie vor Ort erfolgen.

Teil 3 – Nach der Geburt: die ersten Tage

Was passiert direkt nach der Geburt?

Die meisten Kinder mit einer angeborenen Lungenfehlbildung atmen nach der Geburt völlig normal, trinken normal und können bei ihren Eltern bleiben. Sie werden lediglich aufmerksam beobachtet.

In den ersten Lebenstagen wird in der Regel eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs gemacht. Wichtig zu wissen: Ein unauffälliges Röntgenbild schließt eine Lungenfehlbildung nicht aus – die Aufnahme dient vor allem dazu, große oder überblähte Befunde sofort zu erkennen.

Unser Baby hat keine Beschwerden – warum wird trotzdem weiter untersucht?

Weil Beschwerdefreiheit im Neugeborenenalter nichts darüber aussagt, ob der Befund vorhanden ist. Um überhaupt eine begründete Entscheidung treffen zu können – operieren oder beobachten –, müssen wir wissen, was genau vorliegt, wie groß es ist, wo es liegt und woher es sein Blut bekommt.

Warum wird ein CT gemacht – und ist die Strahlung gefährlich?

Die Computertomografie mit Kontrastmittel ist derzeit die beste Untersuchung, die den Befund zuverlässig darstellt und gleichzeitig zeigt, ob ein zusätzliches Versorgungsgefäß aus der Körperschlagader vorhanden ist. Genau diese beiden Informationen entscheiden über das weitere Vorgehen. Sie wird meist in den ersten Lebensmonaten durchgeführt.

Zur Strahlenbelastung: Moderne ultra-low-dose Kinder-CT-Protokolle arbeiten mit sehr niedrigen Dosen, die in den letzten Jahren erheblich gesenkt wurden. Die Untersuchung führen wir in unserem Zentrum mit 3-6 Monaten durch. Wir wägen Nutzen und Belastung in jedem Einzelfall ab und führen keine Untersuchung durch, die keine Konsequenz hätte.

Fragen zur Bildgebung beantworten wir gern unter lunge@umm.de; bei speziellen radiologischen Fragen ist Professor Weis unter meike.weis@umm.de erreichbar.

Was passiert, wenn unser Baby nach der Geburt Atemprobleme hat?

Ein kleiner Teil der Kinder – vor allem mit sehr großen Befunden – bekommt in den ersten Stunden oder Tagen Atemnot. Dann wird das Kind auf der neonatologischen Intensivstation stabilisiert und bei Bedarf beatmet.

In dieser Situation wird zügig operiert, weil die Entfernung des überblähten oder verdrängenden Bezirks der gesunden Lunge sofort wieder Platz verschafft. In unserem Zentrum erfolgt die Operation meistens minimal-invasiv thorakoskopisch. Die Ergebnisse sind bei diesen Kindern in der Regel gut – die Atmung normalisiert sich meist rasch nach dem Eingriff.

Teil 4 – Operieren oder abwarten?

Muss jede Lungenfehlbildung operiert werden?

Nein, nicht jede. Bei Kindern mit Beschwerden ist die Operation unstrittig der richtige Weg. Bei einer CPAM und bei größeren Sequestern empfehlen wir die Entfernung in der Regel auch dann, wenn das Kind beschwerdefrei ist – meist im Alter von drei bis sechs Monaten und minimal-invasiv. Der Grund für den frühen Zeitpunkt: Der Eingriff ist technisch einfacher, solange das Gewebe noch nie entzündet war, und die verbliebene Lunge kann in den ersten Lebensjahren am besten nachwachsen.

Was spricht für eine Operation, was für das Abwarten?

Für eine frühe Operation spricht:

  • Ein Teil der zunächst beschwerdefreien Kinder entwickelt später Beschwerden – meist Lungenentzündungen, seltener einen Pneumothorax.
  • Beschwerden treten häufig im Alter von etwa fünf bis zehn Monaten erstmals auf.
  • Wird erst nach einer Infektion operiert, steigt die Rate an Komplikationen nach der Operation deutlich – in einer Auswertung von etwa 10 % auf etwa 32 %. Auch der minimal-invasive Zugang gelingt dann seltener.
  • Je früher operiert wird, desto besser kann die verbliebene Lunge nachwachsen, weil die Lungenbläschen in den ersten Lebensjahren noch neu gebildet werden.

Für das Abwarten spricht:

  • Die Mehrzahl der beschwerdefreien Kinder bleibt beschwerdefrei. Eine Operation an einem gesunden, beschwerdefreien Säugling ist immer auch ein Eingriff mit eigenen Risiken.

Wie wir vorgehen: Wir besprechen mit Ihnen Größe, Lage und Art des Befundes, das individuelle Risiko und Ihre eigene Haltung dazu.

Stimmt es, dass aus einer CPAM Krebs entstehen kann?

Ja, das ist möglich – aber die Zahlen, die im Internet kursieren, führen fast immer in die Irre. Deshalb erklären wir sie hier ausführlich.

Was die Daten von Erwachsenen zeigen: In einer systematischen Übersichtsarbeit über 980 Erwachsene mit angeborenen Lungenfehlbildungen fand sich bei 12 % zum Zeitpunkt der operativen Entfernung ein Tumor; bei der CPAM lag der Anteil über 20 %. Außerdem hatten mehr als 30 % der Erwachsenen mit CPAM oder intralobärem Sequester wiederkehrende Atemwegsinfekte, und 75% waren überhaupt erst durch Beschwerden aufgefallen.

Warum Sie diese Zahlen nicht direct auf Ihr Kind übertragen dürfen: In diese Auswertung gingen fast ausschließlich Erwachsene ein, die auffällig geworden und deshalb operiert worden sind. Menschen, die ihr Leben lang beschwerdefrei mit einer nie entdeckten Lungenfehlbildung leben, tauchen in keiner Statistik auf. Die 12% beschreiben also nicht das Risiko eines Neugeborenen mit einem kleinen Zufallsbefund, sondern den Anteil unter denjenigen, die als Erwachsene operiert wurden.

Für die Praxis heißt das: Das Krebsrisiko ist ein klares Argument für die Operation – aber es ist nicht das Argument, das eine Entscheidung allein trägt. Und wenn Sie sich gegen eine Operation entscheiden, ist es der Grund, warum die Kontrollen nicht abreißen dürfen.

Wann wird operiert – in welchem Alter?

Bei Kindern mit Beschwerden: sobald es der Zustand erlaubt, bei Atemnot auch unmittelbar nach der Geburt.

Bei beschwerdefreien Kindern, wenn Sie sich für eine Operation entscheiden: meist im ersten Lebensjahr, häufig im Alter von etwa drei bis zwölf Monaten. Die Gründe sind, dass Beschwerden typischerweise ab dem fünften bis zehnten Lebensmonat auftreten, dass der minimal-invasive Zugang bei kleinen Kindern und noch nicht entzündetem Gewebe besser gelingt und dass die Lunge in den ersten Lebensjahren am besten kompensieren kann.

Untersuchungen zum optimalen Zeitpunkt zeigen: Sterblichkeit und schwere Komplikationen unterscheiden sich zwischen den Zeitpunkten kaum. Wer aber vor dem Auftreten von Beschwerden operiert wird, hat im Mittel kürzere Operationszeiten, kürzere Nachbeatmung, kürzere Drainagedauer und einen kürzeren Krankenhausaufenthalt.

Was passiert, wenn wir uns gegen eine Operation entscheiden?

Dann vereinbaren wir einen verbindlichen Kontrollplan und halten ihn schriftlich fest. Dazu gehören regelmäßige Vorstellungen bei uns, eine Verlaufsbildgebung in festgelegten Abständen und klare Warnzeichen, bei denen Sie sich unabhängig vom nächsten Termin melden.

Wichtig ist außerdem, dass Ihr Kind seine Diagnose kennt, wenn es erwachsen wird. Eine Lungenfehlbildung, von der niemand mehr weiß, ist das eigentliche Risiko – nicht die Fehlbildung selbst.

Teil 5 – Die Operation

Können wir vor einer geplanten Operation eine Zweitmeinung einholen?

Ja. Vor einer elektiven Operation prüfen wir auf Wunsch nochmals Diagnose, Gefäßversorgung, Ausdehnung des Befundes, Operationszeitpunkt und das geplante Resektionsausmaß. Dies ist besonders sinnvoll, wenn zwischen Beobachtung und Operation abgewogen wird, eine Entfernung des gesamten Lungenlappens geplant ist oder Bildgebung und Beschwerden nicht eindeutig zusammenpassen.

Bitte übermitteln Sie pränatale Befunde, aktuelle CT- oder MRT-Aufnahmen möglichst im DICOM-Format und vorhandene Vorberichte. Wir besprechen anschließend, ob eine Operation empfohlen wird, welcher Zeitpunkt sinnvoll ist und ob eine lobuserhaltende, minimal-invasive Strategie in Betracht kommt.

Anfragen für eine Zweitmeinung richten Sie bitte an unser Lungen-Team unter lunge@umm.de; wir koordinieren bei Bedarf ein persönliches Gespräch mit Professor Boettcher.

Wie wird operiert – und muss der Brustkorb geöffnet werden?

In der Regel ist keine klassische Eröffnung des Brustkorbs erforderlich. Meistens operieren wir angeborene Lungenfehlbildungen minimal-invasiv thorakoskopisch über wenige kleine Zugänge zwischen den Rippen. Das schont Muskulatur und Rippen und führt zu kleineren Narben; bei sehr großen Befunden, ausgeprägten Verwachsungen oder unübersichtlicher Gefäßanatomie kann ein offener Zugang dennoch der sicherere Weg sein.

Ein wichtiger Langzeitaspekt: Nach einer klassischen Eröffnung des Brustkorbs treten im Wachstum häufiger Verformungen der Brustwand und Verkrümmungen der Wirbelsäule auf. Der minimal-invasive Zugang verringert dieses Risiko deutlich.

In bestimmten Situationen ist der offene Zugang trotzdem der sichere Weg – etwa bei sehr großen Befunden, bei ausgeprägten Verwachsungen nach einer durchgemachten Infektion oder wenn die Übersicht es erfordert. Diese Entscheidung wird im Zweifel während der Operation getroffen; wir besprechen sie vorher mit Ihnen.

Was wird entfernt – ein ganzer Lungenlappen oder weniger?

Der Standard ist die Entfernung des betroffenen Lungenlappens (Lobektomie). Der Grund: Die Fehlbildung ist häufig nicht so scharf begrenzt, wie sie auf dem Bild aussieht, und verbleibendes verändertes Gewebe kann später Beschwerden machen.

Bei kleineren, klar abgegrenzten Befunden kommt eine sparsamere Entfernung infrage – ein Segment oder ein umschriebener Bezirk. Das erhält mehr Lungengewebe, geht aber mit einem etwas höheren Risiko einher, dass ein Rest zurückbleibt.

Der Mensch hat rechts drei und links zwei Lungenlappen. Die Entfernung eines Lappens im Säuglingsalter wird in aller Regel gut vertragen – dazu mehr in Teil 6.

Wie läuft die Operation bei einem Sequester ab?

Entscheidend ist das eigene Versorgungsgefäß aus der Körperschlagader. Es ist bei kleinen Kindern manchmal überraschend kräftig, kann aus dem Bauchraum kommen und muss zuverlässig verschlossen werden. Wir stellen es vor der Operation im CT genau dar und gehen es während des Eingriffs gezielt an.

Ein extralobärer Sequester lässt sich oft besonders schonend entfernen, weil er einen eigenen Überzug hat und nicht in den Lungenlappen eingebettet ist. Bei einem intralobären Sequester wird meist der betroffene Segmentanteil mit entfernt.

Wie lange dauert der Krankenhausaufenthalt?

Nach einer planbaren minimal-invasiven Entfernung bei einem beschwerdefreien Säugling ist meist ein stationärer Aufenthalt von zwei bis drei Tagen einzuplanen. Häufig liegt nur bis zum Folgetag eine dünne Thoraxdrainage, über die Luft und Wundflüssigkeit abgeleitet werden.

Bei Kindern, die wegen Atemnot oder nach einer Infektion operiert werden, dauert der Aufenthalt länger und richtet sich nach dem Verlauf.

Welche Komplikationen sind möglich?

Wir benennen mögliche Komplikationen offen, damit Sie eine gut informierte Entscheidung treffen können:

  • Anhaltende Luftleckage aus der Schnittfläche der Lunge – die häufigste Komplikation. Sie verlängert die Drainagedauer, heilt aber fast immer von selbst aus.
  • Wundinfektion oder Infektion im Brustraum.
  • Blutung, insbesondere bei einem kräftigen Versorgungsgefäß eines Sequesters.
  • Verbliebenes Restgewebe, wenn sparsamer als ein ganzer Lappen entfernt wurde – gegebenenfalls mit erneuter Operation.
  • Umstieg vom minimal-invasiven auf den offenen Zugang während der Operation, wenn die Übersicht oder die Sicherheit es erfordert.
  • Sehr selten Verletzungen von Nachbarstrukturen.

Was wir Ihnen zusagen können: Wir führen diese Eingriffe regelmäßig durch und haben Routine darin, Komplikationen früh zu erkennen und konsequent zu behandeln. Unsere eigenen Ergebnisse legen wir Ihnen im Gespräch offen.

Fragen zur Operation richten Sie bitte an unser Lungen-Team unter lunge@umm.de; wir koordinieren bei Bedarf ein persönliches Gespräch mit Professor Boettcher.

Teil 6 – Nach der Operation und der Weg nach Hause

Wie geht es nach der Operation weiter?

Ihr Kind wird nach der Operation überwacht, bekommt eine an das Alter angepasste Schmerztherapie und darf in der Regel rasch wieder trinken und essen. Die Drainage wird entfernt, sobald keine Luft mehr entweicht und die Fördermenge gering ist.

Hat unser Kind nach der Operation Schmerzen?

Ja, ein Eingriff am Brustkorb ist schmerzhaft – und wir behandeln das konsequent. Säuglinge empfinden Schmerz; die Vorstellung, sie würden ihn nicht wahrnehmen, ist überholt. Die Schmerztherapie folgt einem festen Schema mit regelmäßiger Schmerzerfassung.

Der minimal-invasive Zugang hilft dabei erheblich: Weil Rippen und Muskulatur nicht durchtrennt werden, brauchen die Kinder deutlich weniger Schmerzmittel als nach einer offenen Operation und sind schneller wieder mobil. Die Drainage ist bei uns meist nach der ersten Nacht wieder entfernt – auch das nimmt Schmerz.

Was zusätzlich nachweislich hilft: Nähe, Hautkontakt, Stimme, Stillen und ruhige Lagerung. Sagen Sie dem Team, wenn Ihr Kind Ihnen unruhig oder schmerzhaft erscheint – Ihre Beobachtung ist oft treffsicherer als jede Skala.

Wächst die Lunge wieder nach?

Ja, in erheblichem Umfang – das ist eine der guten Nachrichten bei Operationen im Säuglingsalter. Die Lunge bildet in den ersten Lebensjahren noch neue Lungenbläschen. Nach der Entfernung eines Lappens dehnt sich die verbliebene Lunge aus und füllt den Raum wieder aus, sodass das Lungenvolumen sich weitgehend normalisiert.

Eine Einschränkung sollten Sie kennen: Volumen ist nicht dasselbe wie Funktion. Untersuchungen zeigen, dass das Volumen sich sehr gut erholt, dass aber Messwerte der Atemstromstärke bei einem Teil der Betroffenen leicht vermindert bleiben können. In Vergleichsstudien nach minimal-invasiver Entfernung lag die Lungenfunktion zwei Jahre nach der Operation im Normbereich.

Für den Alltag heißt das: Die allermeisten Kinder merken im täglichen Leben und beim Sport nichts von der fehlenden Lungenportion.

Wie geht es nach der Entlassung zu Hause weiter?

Weil der Aufenthalt bei uns meist nur zwei bis drei Tage dauert, gehen Sie mit einem Kind nach Hause, das gerade erst operiert wurde. Das ist gewollt und sicher – aber Sie sollten wissen, worauf zu achten ist.

Die ersten Tage: Die kleinen Wunden zwischen den Rippen werden trocken versorgt; kurzes Duschen oder Abwaschen ist meist nach wenigen Tagen möglich, Baden in der Wanne etwas später. Sie dürfen Ihr Kind normal tragen, füttern und wickeln – Sie können dabei nichts kaputt machen. Schmerzmittel geben Sie nach dem Plan, den Sie mitbekommen, lieber regelmäßig als erst bei Schmerzen.

Was normal ist: etwas Müdigkeit und Unruhe in den ersten Tagen, ein leicht verändertes Atemmuster, gelegentliches Hüsteln. Auch dass Ihr Kind zunächst weniger trinkt als gewohnt, kommt vor.

Wann Sie sich melden sollten: bei Fieber, bei zunehmender oder erstmals auftretender Atemnot, bei einer Wunde, die rot wird, nässt oder schmerzt, bei anhaltendem Erbrechen oder wenn Ihr Kind ungewöhnlich schlapp wirkt. Die Warnzeichen für den echten Notfall finden Sie in Teil 7.

Die erste Kontrolle bei uns erfolgt nach Absprache, meist innerhalb weniger Wochen. Wenn Sie weit entfernt wohnen, klären wir vorher, welcher Teil davon heimatnah erfolgen kann.

Wird unser Kind später Einschränkungen haben?

Nach heutigem Kenntnisstand führen die allermeisten Kinder nach der Entfernung einer angeborenen Lungenfehlbildung ein völlig normales Leben: Kindergarten, Schule, Sport, Beruf – all das steht ihnen offen.

Es gilt jedoch zwei Dinge zu beachten: Erstens sind die Langzeitdaten bis ins hohe Erwachsenenalter noch begrenzt, weil die minimal-invasive Chirurgie bei Säuglingen erst seit rund zwei Jahrzehnten breit angewendet wird. Zweitens kann ein Teil der Betroffenen leicht verminderte Messwerte in der Lungenfunktionsprüfung haben, ohne dies im Alltag zu bemerken.

Darf unser Kind Sport machen, fliegen oder später tauchen?

Sport: uneingeschränkt und ausdrücklich erwünscht, sobald die Wunden verheilt sind. Es gibt keinen Grund, ein Kind nach einer Lungenoperation vom Schulsport zu befreien.

Fliegen: nach abgeschlossener Heilung problemlos. In den ersten Wochen nach der Operation und bei einem unbehandelten, luftgefüllten zystischen Befund sollten Sie vorher mit uns sprechen.

Tauchen mit Pressluftgerät: Hier ist eine individuelle Beurteilung nötig. Zystische Bereiche in der Lunge können beim Auftauchen ein Risiko darstellen. Kinder mit einem unbehandelten zystischen Befund sollten nicht mit Gerät tauchen. Nach vollständiger Entfernung und unauffälliger Nachuntersuchung ist Tauchen möglich – wir stellen dafür gern eine sporttauchmedizinische Beurteilung her.

Teil 7 – Die Nachsorge

Wie sieht die Nachsorge aus?

Alle Kinder mit einer angeborenen Lungenfehlbildung nehmen wir in ein strukturiertes Nachsorgeprogramm auf – unabhängig davon, ob operiert wurde oder nicht. Beteiligt sind Kinderchirurgie, Kinderpneumologie und Kinderradiologie.

Nach einer Operation stehen die Wundheilung, das Wachstum, die Entwicklung der Brustwand und der Wirbelsäule und später die Lungenfunktion im Vordergrund. Ohne Operation geht es darum, den Befund im Verlauf zu beurteilen und Beschwerden früh zu erkennen.

Die feingewebliche Untersuchung des entfernten Gewebes ist ein fester Bestandteil der Behandlung: Sie sichert die Diagnose und grenzt seltene Zellveränderungen ab – insbesondere das pleuropulmonale Blastom, einen sehr seltenen kindlichen Tumor, der einer zystischen CPAM zum Verwechseln ähnlich sehen kann. Das Ergebnis besprechen wir immer persönlich mit Ihnen.

Wie wird kontrolliert, wenn nicht operiert wurde?

Wir vereinbaren feste Termine mit klinischer Untersuchung und je nach Befund eine Verlaufsbildgebung wie CT oder MRT. Ziel ist, mit möglichst wenig Strahlenbelastung möglichst gut informiert zu bleiben – deshalb prüfen wir bei jeder Kontrolle, ob eine Bildgebung tatsächlich eine Konsequenz hätte.

Melden Sie sich unabhängig vom nächsten Termin bei wiederholten Lungenentzündungen, bei immer wieder derselben Stelle im Röntgenbild, bei anhaltendem Husten, bei Blut im Auswurf, bei plötzlicher Atemnot oder plötzlichen Brustschmerzen (möglicher Pneumothorax) und bei Leistungsknick.

Kann die Fehlbildung nach der Operation wiederkommen?

Eine vollständig entfernte Fehlbildung wächst nicht nach. Beschwerden nach einer Operation haben deshalb fast immer eine andere Ursache: verbliebenes Restgewebe bei sparsamer Entfernung, ein übersehener zweiter Befund in einem anderen Lappen oder – häufiger – eine ganz normale Atemwegsinfektion, die nichts mit der Fehlbildung zu tun hat.

Deshalb wird nach einer sparsamen Entfernung in der Regel nach einem Jahr eine Kontrollbildgebung durchgeführt, und deshalb schauen wir bei der ersten Bildgebung sehr genau auf die gesamte Lunge, nicht nur auf den bekannten Befund.

Bei unserem älteren Kind wurde zufällig ein Befund in der Lunge entdeckt – was nun?

Das kommt häufiger vor, als man denkt: Ein Röntgenbild oder CT wird aus einem ganz anderen Grund gemacht – nach einem Unfall, wegen einer hartnäckigen Lungenentzündung – und zeigt einen Befund, der schon immer da war.

Auch ein zufällig entdeckter Befund sollte fachlich eingeordnet werden. Wir klären, um welche Form es sich handelt, ob ein zusätzliches Gefäß aus der Körperschlagader vorliegt und ob es Hinweise auf frühere Entzündungen gibt. Häufig zeigt sich rückblickend, dass wiederholt „Lungenentzündungen an derselben Stelle“ aufgetreten sind.

Ein Punkt, der uns besonders wichtig ist: Ein zystischer Lungenbefund, der bei einem älteren Kind neu auftritt oder deutlich wächst, ist nicht automatisch eine CPAM. Er kann in seltenen Fällen ein pleuropulmonales Blastom sein – ein kindlicher Tumor, der einer CPAM im Bild sehr ähnlich sieht und teilweise mit einer erblichen Veranlagung einhergeht. Solche Befunde gehören deshalb rasch an ein Zentrum, das beides sicher unterscheiden kann.

Melden Sie sich bei uns – auch dann, wenn der Befund „nur zufällig“ aufgefallen ist und Ihr Kind beschwerdefrei ist. Eine Einschätzung ist auch per Video möglich, wenn Sie uns die Bilder vorab zusenden.

Was ist bei Atemwegsinfekten zu beachten?

Kinder mit einer unbehandelten Lungenfehlbildung und Kinder nach einer Lungenoperation dürfen ganz normal in den Kindergarten und dürfen sich anstecken. Zwei Dinge sind aber wichtig:

  • Sagen Sie bei jeder ärztlichen Vorstellung aktiv, dass Ihr Kind eine Lungenfehlbildung hat oder hatte – das verändert die Bewertung eines Röntgenbildes erheblich.
  • Eine Lungenentzündung, die wiederholt an derselben Stelle auftritt, sollte gezielt abgeklärt werden. Melden Sie sich in diesem Fall bei uns.

Zu Impfungen: Wir empfehlen die von der STIKO vorgesehenen Impfungen einschließlich der Pneumokokken- und Grippeimpfung sowie die RSV-Prophylaxe für Säuglinge in ihrer ersten RSV-Saison nach den jeweils gültigen Empfehlungen. Bitte sprechen Sie uns an, wenn Sie unsicher sind.

Warum ist Rauchen für unser Kind später besonders schädlich?

Das ist ein Punkt, den wir früh ansprechen, auch wenn er weit weg scheint. Ein Kind, dem ein Lungenlappen fehlt oder das eine Lungenfehlbildung behalten hat, startet mit einer geringeren Reserve ins Erwachsenenleben. Rauchen – aktiv wie passiv – verbraucht diese Reserve schneller.

Für Sie heißt das jetzt vor allem: Rauchfreie Wohnung und rauchfreies Auto sind für dieses Kind wichtiger als für andere. Und wenn Ihr Kind ins Jugendalter kommt, lohnt sich dieses Gespräch – wir führen es in der Nachsorge gern gemeinsam mit Ihnen.

Wann müssen wir uns sofort melden?

Bei den folgenden Zeichen sollten Sie nicht bis zum nächsten Termin warten, sondern Ihr Kind umgehend ärztlich vorstellen – bei schwerer Beeinträchtigung über den Rettungsdienst (Notruf 112):

  • plötzliche Atemnot, schnelle Atmung, Einziehungen zwischen den Rippen oder blaue Lippen
  • plötzliche, stechende Brustschmerzen – möglicher Pneumothorax
  • Fieber mit Husten und schnellem Atmen – mögliche Lungenentzündung
  • Bluthusten
  • ein Kind, das zunehmend krank, blass oder teilnahmslos wirkt

Rufen Sie uns in diesen Situationen rund um die Uhr unter 0621 383-1616 an. Wir schätzen die Dringlichkeit telefonisch ein und stimmen das weitere Vorgehen mit Ihnen ab.

Sagen Sie in der aufnehmenden Klinik immer aktiv, dass Ihr Kind eine angeborene Lungenfehlbildung hat oder daran operiert wurde. Informieren Sie uns anschließend, damit wir die Weiterbehandlung abstimmen können.

Im Zweifel gilt: lieber einmal zu früh vorstellen als zu spät.

Teil 8 – Unterstützung und Austausch für Familien

Wie finde ich andere betroffene Familien?

Der Austausch mit anderen betroffenen Familien ist über die CDH-Community, den Verein „Zwerchfellhernie bei Neugeborenen e. V.“, den ECMO-Verein und persönliche Familientreffen möglich. Das Behandlungsteam vermittelt auf Wunsch passende Kontakte.

  • CDH-Community (WhatsApp): Austausch mit vielen betroffenen Familien – von der Schwangerschaft bis weit über die Entlassung hinaus.
  • Zwerchfellhernie bei Neugeborenen e. V.: ein Selbsthilfeverein für betroffene Familien mit Informationen, Austauschmöglichkeiten und Veranstaltungen (mehr unter zwerchfellhernie-bei-neugeborenen.de).
  • ECMO-Verein: ein Selbsthilfeverein für betroffene Familien mit Informationen, Austauschmöglichkeiten und Veranstaltungen (mehr unter https://www.ecmo-ev.de).
  • Behandlungsteam ansprechen: Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte und Sozialdienst kennen weitere Anlaufstellen und können Kontakte zu Selbsthilfeangeboten vermitteln.
  • Veranstaltungen und Familientreffen: Austausch vor Ort und persönliche Gespräche – hier entstehen oft Freundschaften fürs Leben.

Selbsthilfeangebote können praktische Erfahrungen, emotionale Unterstützung und Orientierung im Alltag vermitteln.

Ich habe Angst in der Schwangerschaft – ist das normal?

Ja, vollkommen. Die Nachricht, dass mit der Lunge des eigenen Kindes etwas nicht stimmt, ist ein Schock – unabhängig davon, wie klein der Befund ist. Viele Eltern beschreiben, dass sie die restliche Schwangerschaft nicht mehr unbeschwert erleben konnten.

Was hilft: den Befund von jemandem einordnen lassen, der viele davon gesehen hat; sich erlauben, auch die schwierigen Fragen zu stellen; und wissen, dass es Ihrem Kind im Bauch in aller Regel gut geht.

Wir bieten psychologische Begleitung an – vor der Geburt, während des Aufenthalts und danach. Sprechen Sie uns einfach an.

Wie finden wir andere betroffene Familien?

Angeborene Lungenfehlbildungen sind selten, und viele Familien haben noch nie jemanden mit derselben Diagnose getroffen. Wir vermitteln auf Wunsch – mit dem Einverständnis beider Seiten – den Kontakt zu anderen Familien aus unserer Nachsorge.

International gibt es Selbsthilfeinitiativen speziell für angeborene Lungenfehlbildungen; eine eigene deutschsprachige Organisation ausschließlich für dieses Krankheitsbild besteht nach unserem Kenntnisstand derzeit nicht. Sprechen Sie uns an – wir sagen Ihnen, welche Angebote aktuell verfügbar sind.

Können wir eine Zweitmeinung einholen – auch per Video?

Ja. Eine medizinische Zweitmeinung ist bei seltenen Erkrankungen ausdrücklich sinnvoll und verpflichtet Sie zu nichts. Dies gilt besonders, wenn bei einem beschwerdefreien Kind zwischen Beobachtung und Operation abgewogen wird.

Das gilt vor der Geburt genauso wie später – auch dann, wenn Ihr Kind anderswo operiert wurde und Sie mit dem Verlauf nicht zufrieden sind. Bitte halten Sie vorhandene Befunde bereit: Ultraschall- und MRT-Berichte aus der Schwangerschaft, Röntgen- und CT-Aufnahmen möglichst im DICOM-Format, Operationsberichte und Histologiebefunde.

Terminvereinbarung telefonisch unter 0621 383-5574 oder per E-Mail an lunge@umm.de.

Wir wohnen weit weg – wie läuft die Betreuung dann?

Aus ganz Deutschland kommen Familien zu uns, und wir haben unsere Abläufe darauf eingerichtet.

Vor einer Vorstellung sichten wir vorhandene Unterlagen und Bildgebung. In einem Telefon- oder Videotermin ordnen wir ein, welche Form der Vorstellung sinnvoll ist und welche Untersuchungen heimatnah erfolgen können.

Während des Aufenthalts: Ein Elternteil kann bei Ihrem Kind auf Station bleiben, beide Elternteile können im nahegelegenen Elternhaus wohnen. Der Sozialdienst berät zu Fahrtkosten und Unterbringung.

Nach der Entlassung: Weil der Eingriff bei uns meist nur zwei bis drei Tage stationären Aufenthalt erfordert, ist die Anreise auch aus größerer Entfernung gut planbar. Ihre Kinderärztin oder Ihr Kinderarzt erhält einen Nachsorgeplan, aus dem hervorgeht, welche Kontrolle wann fällig ist und was heimatnah erfolgen kann. Termine bei uns bündeln wir möglichst an einem Tag.

Teil 9 – Für zuweisende Ärztinnen und Ärzte

Wie kann ich ein Kind mit Lungenfehlbildung anbinden?

Zuweisende Ärztinnen und Ärzte können Kinder mit Verdacht auf oder gesicherter angeborener Lungenfehlbildung kurzfristig pränatal oder postnatal anbinden. Wir übernehmen je nach Bedarf Zweitmeinung vor einer geplanten Operation, interdisziplinäre Diagnostik einschließlich gezielter Gefäßdarstellung, Geburtsplanung, operative beziehungsweise intensivmedizinische Behandlung, Beurteilung nach Voroperation und strukturierte Nachsorge. Die wohnortnahe Betreuung bleibt aktiv eingebunden.

  • Zuweisernummer: +49 621 383-4681.
  • Fachliche Anfragen: lunge@umm.de.
  • Pränatale Beratung: michael.boettcher@umm.de.
  • Akute Situationen – Neugeborenes mit Atemnot, Spontanpneumothorax, Bluthusten oder Transportabsprache – rund um die 0621 383 1616.
Wann ist eine zeitnahe Vorstellung erforderlich?

Dringlich sind Neugeborene mit Atemnot, zunehmendem Sauerstoffbedarf oder mediastinaler Verlagerung – insbesondere bei kongenitalem lobärem Emphysem oder großer zystischer Läsion. Hier bitte frühzeitig Kontakt aufnehmen und Beatmung mit hohen Drücken möglichst vermeiden, da überblähte Areale weiter zunehmen können.

Ebenfalls zeitnah vorstellen sollten Sie:

  • rezidivierende Pneumonien in derselben Lokalisation, unabhängig vom Alter
  • Spontanpneumothorax bei Kindern und Jugendlichen
  • Hämoptysen
  • jeden pränatal bekannten Befund, bei dem postnatal keine Bildgebung erfolgt ist – auch bei sonografisch „verschwundener“ Läsion
  • zystische Lungenbefunde, die bei einem älteren Kind neu auftreten oder größenprogredient sind: hier ist ein pleuropulmonales Blastom differenzialdiagnostisch abzugrenzen

Für die Beurteilung hilfreich sind pränatale Befundberichte, postnatale Bildgebung möglichst im DICOM-Format sowie – bei Voroperation – Operations- und Histologiebefunde.

Was zeichnet das Zentrum in Zahlen aus?

Wir führen jährlich mehr als 20 CPAM-Operationen und mehr als zehn Sequesteroperationen durch und betreuen eine große, strukturierte Nachsorgekohorte mit angeborenen Lungenfehlbildungen.

Diese kontinuierliche Fallzahl schafft spezialisierte Erfahrung in pränataler Beratung, Gefäßdiagnostik, minimal-invasiver Thoraxchirurgie und Komplikationsmanagement. Bei planbaren Eingriffen ist der stationäre Aufenthalt häufig auf zwei bis drei Tage begrenzt.

Die Versorgung folgt standardisierten interdisziplinären Behandlungspfaden und wird in Fallkonferenzen, Registern und strukturierten Qualitätsauswertungen überprüft. Der Standort ist in das Europäische Referenznetzwerk ERNICA eingebunden und für angeborene Lungenfehlbildungen als Zentrum ausgewiesen.

Medizinische Grundlagen – Auswahl
  • Klinke M et al. Intervention in High-Risk CPAM: Postnatal Outcomes After Fetal versus Standard Surgery: A Propensity Score Matched Study. Eur J Pediatr Surg. 2026 Apr;36(2):118-124.
  • Pederiva et al. Congenital lung malformations. Nature Reviews Disease Primers. 2023;9(1):60.
  • Bonnard A. Thoracoscopic Lobectomy for Congenital Pulmonary Airway Malformation: Where Are We in 2019? European Journal of Pediatric Surgery. 2020;30(2):146–149.
  • European Congenital Lung Malformation Working Group. Risk of malignant transformation and infections in congenital lung malformations in adults: a systematic review. European Respiratory Review. 2025;34(176):240254.
  • Robert Koch-Institut / STIKO. Impfkalender und Empfehlungen 2026; spezifische RSV-Prophylaxe für Neugeborene und Säuglinge in ihrer ersten RSV-Saison.
  • Interdisziplinärer Mannheimer Behandlungspfad für angeborene Lungenfehlbildungen und strukturiertes Nachsorgeprogramm, Redaktionsstand August 2026.
Kontakt Nachsorge

Nachsorge: Dr. med. Richard Martel
CDH/Lunge-Fellow: Dr. med. Ophelia Aubert
CDH/Lunge-Lotsin: Thu Ha Nguyen

Nachsorge und Terminvereinbarung: 0621 383-5574
Notfall und akute Rückfragen rund um die Uhr: 0621 383-1616

E-Mail: lunge@umm.de