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NOTFALL

Kinder-Notaufnahme (NOKI) des Universitätsklinikums Mannheim (UKMA)
Die Telefonnummer lautet: 0621/383-2504
Die NOKI befindet sich in Haus 29, Ebene 1

Wen ruft man im lebensbedrohlichen Notfall an?
Alarmieren Sie schnellstmöglich den Notarzt über die Telefonnummer: 112
Fahren Sie keinesfalls selbst ins Krankenhaus!

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Über die NOKI (Haus 29, Ebene 1) werden die Räumlichkeiten der Notfallpraxis in Haus 31 erreicht. Sie hat werktags von 16 bis 22 Uhr sowie am Wochenende von 8 bis 22 Uhr geöffnet .

Wo stelle ich mich mit dringlichen Notfällen vor?
Unsere NOKI des UKMA ist täglich durchgehend für Notfälle und
Schockräume im Haus 29, Ebene 1 geöffnet bzw. unter 0621 383-2504 erreichbar.

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International Patient Office

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Häufige Fragen (FAQ) zur Ösophagusatresie (EA) und zur tracheoösophagealen Fistel

Ein medizinisch geprüfter Ratgeber entlang des Behandlungswegs – für Eltern sowie für zuweisende Ärztinnen und Ärzte

Eine Ösophagusatresie ist eine angeborene Unterbrechung der Speiseröhre, häufig verbunden mit einer tracheoösophagealen Fistel zur Luftröhre. Die Diagnose wird nach der Geburt mit einer Sonde und einer Röntgenaufnahme gesichert; die operative Korrektur erfolgt meist in den ersten Lebenstagen.

Diese Seite beantwortet die wichtigsten Fragen vom pränatalen Verdacht über Erstversorgung und Operation bis zu Ernährung, Atemwegen, Transition und lebenslanger Nachsorge. Ein eigener Abschnitt richtet sich an zuweisende Ärztinnen und Ärzte.

Kontakt Nachsorge

Leitung Nachsorge: Univ.-Prof. Dr. med. Michael Boettcher

Ösophagus-Lotsin: Morvarid Jones

Telefon Nachsorge und Terminvereinbarung: 0621 383-4681

Notfall und akute Rückfragen rund um die Uhr: 0621 383 -1616

E-Mail: oesophagus@umm.de

Form und Abstand der Speiseröhrenenden, Begleitfehlbildungen, Atemwegssituation, Frühgeburtlichkeit und Allgemeinzustand unterscheiden sich von Kind zu Kind. Zahlen und allgemeine Angaben geben deshalb Orientierung, ersetzen aber nicht die individuelle Beurteilung durch ein erfahrenes Behandlungsteam.

Medizinisch verantwortlich: Univ.-Prof. Dr. med. Michael Boettcher, Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie, Universitätsmedizin Mannheim.

Fachlich einbezogen: Kinderchirurgie, Neonatologie, Kinderanästhesie, Kindergastroenterologie, Kinderpneumologie, Kinderradiologie, Humangenetik sowie spezialisierte Pflege und Ernährungstherapie.

Letzte medizinische Prüfung: 1. August 2026. Nächste planmäßige Überprüfung: August 2027.

Inhalt dieser Seite

Sie müssen nicht alles auf einmal lesen. Springen Sie zu dem Abschnitt, der für Sie gerade wichtig ist.

Sie finden Ihre Frage nicht? Sprechen Sie uns gerne persönlich an.

Teil 1 – Die Grundlagen: Speiseröhrenfehlbildungen verstehen

Was ist eine Ösophagusatresie?

Bei einer Ösophagusatresie (englisch esophageal atresia, EA) ist die Speiseröhre angeboren unterbrochen: Der obere Abschnitt endet blind und hat keine durchgängige Verbindung zum Magen. Bei der häufigsten Form besteht zusätzlich eine angeborene Verbindung zwischen dem unteren Speiseröhrenabschnitt und der Luftröhre, eine tracheoösophageale Fistel (TÖF; englisch tracheoesophageal fistula, TEF).

Die Fehlbildung wird meist unmittelbar nach der Geburt erkannt und operativ behandelt. Typische Zeichen sind schaumiger Speichel, Husten, Verschlucken oder Atemprobleme. Bei bestehendem Verdacht soll keine Trinkprobe durchgeführt werden. Das operative Ziel ist, eine Fistel sicher zu verschließen und die eigene Speiseröhre zu erhalten, sofern eine sichere Verbindung ohne unvertretbare Spannung möglich ist.

Welche Formen gibt es – und was bedeutet „long gap“?

Die Einteilung richtet sich danach, ob und an welcher Stelle eine Fistel zur Luftröhre besteht und ob die Speiseröhrenenden sicher miteinander verbunden werden können:

  • Ösophagusatresie mit distaler tracheoösophagealer Fistel: mit etwa 85 % die häufigste Form (Vogt Typ IIIb beziehungsweise Gross Typ C).
  • Isolierte Ösophagusatresie ohne Fistel: etwa 7–8 %; diese Form ist häufig mit einem großen Abstand zwischen den Speiseröhrenenden verbunden (Vogt Typ II beziehungsweise Gross Typ A).
  • Seltene Formen mit proximaler Fistel, zwei Fisteln oder einer isolierten H-Fistel ohne Atresie. Eine H-Fistel kann sich erst später durch Husten beim Trinken oder wiederkehrende Atemwegsinfekte bemerkbar machen.

Eine Long-Gap-Ösophagusatresie liegt klinisch vor, wenn die beiden Speiseröhrenenden in der Neugeborenenperiode nicht sicher und ohne unvertretbare Spannung primär verbunden werden können. Ein Abstand von mehr als etwa drei Wirbelkörperhöhen wird häufig als Orientierung verwendet. Die genaue Strategie wird deshalb erst nach standardisierter Beurteilung des Abstands und der Gesamtsituation festgelegt.

Was sind die Ursachen – haben wir etwas falsch gemacht?

Nein. Die Ösophagusatresie entsteht sehr früh in der Embryonalentwicklung. Ihre Ursachen sind nicht vollständig geklärt und wahrscheinlich multifaktoriell. Viele Fälle treten sporadisch auf, ohne dass eine einzelne genetische Ursache nachgewiesen werden kann. Genetische Faktoren sind jedoch insbesondere bei zusätzlichen Fehlbildungen, Entwicklungsauffälligkeiten, einem bekannten Syndrom oder mehreren betroffenen Familienmitgliedern relevant. Deshalb wird die Indikation zur humangenetischen Beratung individuell gestellt.

Wie hoch ist das Risiko bei einem weiteren Kind?

In den allermeisten Fällen tritt die Ösophagusatresie einzeln und zufällig auf. Das Risiko, dass ein weiteres Kind ebenfalls betroffen ist, ist deshalb gering. Etwas anders kann es sein, wenn die Fehlbildung im Rahmen eines genetischen Syndroms auftritt oder wenn in der Familie bereits mehrere Fälle bekannt sind.

Genauer betrachtet unterscheidet man zwei Situationen:

  • Isolierte Ösophagusatresie: Die Speiseröhre ist die einzige größere Fehlbildung. Das ist die häufigste Situation. Eine eindeutige genetische Ursache lässt sich meist nicht finden.
  • Syndromale oder komplexe Form: Es liegen weitere Fehlbildungen vor (siehe VACTERL), oder es findet sich eine Chromosomenveränderung beziehungsweise ein genetisches Syndrom – zum Beispiel das CHARGE-Syndrom, das Feingold-Syndrom oder eine Trisomie 18 beziehungsweise 21. Dann ist die Ösophagusatresie Teil eines größeren Bildes.

Für das Wiederholungsrisiko heißt das: Bei einer isolierten, zufällig aufgetretenen Ösophagusatresie ist das Risiko niedrig – es ist aber nicht null und liegt etwas über dem Risiko der allgemeinen Bevölkerung. Deutlich höher kann es sein, wenn bei Ihrem Kind eine genetische Ursache nachgewiesen wurde oder wenn in der Familie bereits Fälle bekannt sind. Wie hoch das Risiko in Ihrer Situation konkret ist, lässt sich nur individuell beantworten.

Wenn Sie eine weitere Schwangerschaft planen oder Fragen zur Genetik haben, wenden Sie sich gerne an unsere Humangenetik: susanne.boettcher@med.uni-heidelberg.de.

Wie häufig ist eine Ösophagusatresie?

Eine Ösophagusatresie betrifft ungefähr eines von 2.500–3.500 Neugeborenen. In den deutschen Krankenhausdaten der Jahre 2016–2022 fanden sich durchschnittlich rund 170 Fälle pro Jahr.

Die Ösophagusatresie ist selten und erfordert Erfahrung nicht nur in der Operation, sondern ebenso in Neonatologie, Kinderanästhesie, Kindergastroenterologie, Kinderpulmonologie, Pflege, Ernährung, Komplikationsmanagement und lebenslanger Nachsorge. Eine hohe Fallzahl unterstützt die Routine eines Teams, ersetzt aber nicht transparente Strukturen und dokumentierte Ergebnisse.

Was sind tracheoösophageale Fisteln und eine Tracheomalazie?

Eine tracheoösophageale Fistel ist eine angeborene Verbindung zwischen Speise- und Luftröhre. Bei einer Tracheomalazie ist die Luftröhre dynamisch instabil: Vor allem beim Ausatmen, Husten oder Pressen kann sich das Lumen durch eine weiche Knorpelwand und eine nach vorn tretende Hinterwand deutlich verengen. Mögliche Folgen sind bellender Husten, erschwerte Sekretmobilisation, wiederkehrende Atemwegsinfekte, Atemnot oder sogenannte blue spells.

Eine Tracheomalazie wird anhand der Beschwerden und einer Tracheobronchoskopie in Spontanatmung beurteilt. Eine dorsale Tracheopexie kommt bei ausgeprägter, symptomatischer Instabilität infrage. Sie wird in unserem Zentrum oft bereits bei der Erstkorrektur durchgeführt. Dabei wird die Rückwand der Luftröhre nach hinten an die Wirbelsäulenfaszie geheftet, sodass sie auch bei forcierter Atmung offen bleibt.

Was ist VACTERL – können weitere Fehlbildungen dazukommen?

Eine Ösophagusatresie kann isoliert auftreten, ist aber häufig mit weiteren Fehlbildungen verbunden. Mehrere typische Fehlbildungen werden als VACTERL-Assoziation zusammengefasst. Deshalb erfolgt nach der Geburt eine strukturierte Suche nach Begleitbefunden:

  • V – Wirbelsäulen- und Rippenfehlbildungen (Vertebrae)
  • A – Fehlen der Afteröffnung/Analatresie sowie Fehlbildungen von Darm- und Harntrakt (Anal)
  • C – Herzfehler (Cardial), vor allem Kammerscheidewanddefekt
  • TE – tracheoösophageale Fistel
  • R – Nierenfehlbildungen (Renal)
  • L – Fehlbildungen der Gliedmaßen (Limb, zum Beispiel an Armen und Beinen)

Bei klinisch stabilem Kind gehören vor der Operation insbesondere eine Echokardiografie mit Darstellung der Aortenbogenlage sowie Ultraschalluntersuchungen von Bauch, Nieren und Harnwegen zur Basisdiagnostik. Zusätzlich werden Wirbelsäule und Rippen, Analregion und Gliedmaßen untersucht. Nicht jeder funktionelle Befund ist unmittelbar nach der Geburt erkennbar; einzelne Kontrollen werden deshalb im Verlauf wiederholt.

Was ist eine H-Fistel – und warum wird sie oft erst spät erkannt?

Bei einer H-Fistel besteht eine Verbindung zwischen Luft- und Speiseröhre, ohne dass die Speiseröhre unterbrochen ist. Sie ist also durchgängig: Das Kind kann schlucken, eine Magensonde lässt sich problemlos bis in den Magen vorschieben, und nach der Geburt fällt zunächst nichts auf. Der Name kommt von der Form – Luft- und Speiseröhre verlaufen parallel, die Fistel verbindet sie quer wie der Querstrich im Buchstaben H.

Sie ist selten: Etwa 4 % aller angeborenen Speiseröhrenfehlbildungen sind H-Fisteln, das entspricht ungefähr einem von 50.000 bis 80.000 Neugeborenen.

Warum sie oft übersehen wird: Weil alle typischen Zeichen einer Ösophagusatresie fehlen. Die Kinder trinken – sie verschlucken sich nur dabei. In der Fachliteratur werden die Leitsymptome als die „drei C“ bezeichnet (englisch coughing, choking, cyanosis): Husten und Würgen beim Trinken, besonders bei dünnen Flüssigkeiten, und Anfälle, bei denen das Kind blau anläuft. Häufig kommt ein auffällig geblähter Bauch hinzu, weil Luft aus der Luftröhre in die Speiseröhre übertritt, sowie immer wiederkehrende Lungenentzündungen.

Sehr oft werden diese Kinder zunächst wegen der Lungenentzündung behandelt, ohne dass nach der Ursache gesucht wird. Manche H-Fisteln werden deshalb erst im Kleinkind- oder Schulalter gefunden, in Einzelfällen erst im Erwachsenenalter.

Wann Sie an eine H-Fistel denken sollten: wenn sich Ihr Kind seit der Geburt bei praktisch jeder Mahlzeit oder Trinken verschluckt bzw. hustet; wenn Lungenentzündungen immer wiederkehren, ohne dass eine Ursache gefunden wird; wenn der Bauch nach dem Trinken auffällig gebläht ist. Sprechen Sie uns in diesen Fällen an – auch dann, wenn andernorts bereits untersucht wurde.

Wie sie festgestellt wird: mit einer Tracheobronchoskopie und Ösophagoskopie. Wichtig zu wissen: Eine unauffällige Untersuchung schließt eine H-Fistel nicht aus. Die Fistel ist klein, verläuft schräg von der Luftröhre nach unten zur Speiseröhre und ist leicht zu übersehen – daher ist die Vorstellung in einem erfahrenen Zentrum sinnvoll. Wenn der klinische Verdacht bestehen bleibt, untersuchen wir erneut, statt den Verdacht fallen zu lassen.

Wie sie behandelt wird: Die H-Fistel liegt meist weit oben, in Höhe des unteren Halses. In unserem Zentrum wählen wir den Zugang abhängig von Höhe der Fistel, Alter und Größe des Kindes – neben dem zervikalen Zugang kommen auch thorakoskopische und roboterassistierte Verfahren infrage.

Worüber wir mit Ihnen vorher sprechen: Unmittelbar neben der Fistel verläuft der Stimmbandnerv. Er kann durch den Eingriff vorübergehend, selten dauerhaft beeinträchtigt werden – die Stimme ist dann heiser. Außerdem kann sich eine H-Fistel in seltenen Fällen erneut öffnen. Deshalb gehören auch nach dieser Operation Kontrollen dazu.

Was ist eine Larynxspalte?

Bei einer Larynxspalte ist die hintere Wand von Kehlkopf und gegebenenfalls oberer Luftröhre unvollständig getrennt. Die Ausprägung reicht von einer kleinen Spalte oberhalb der Stimmlippen bis zu langen laryngotracheoösophagealen Spalten. Eine solche Spalte kann zusammen mit einer Ösophagusatresie auftreten, ist insgesamt aber selten.

Mögliche Hinweise sind Husten oder Blauverfärbung beim Trinken, Aspiration, wiederkehrende Lungenentzündungen, Stridor sowie eine schwache oder heisere Stimme. Die sichere Diagnose erfolgt durch eine direkte Untersuchung von Kehlkopf und Luftröhre in Narkose, meist mit starrer Mikrolaryngoskopie beziehungsweise Laryngotracheobronchoskopie und vorsichtiger Palpation. Eine CT-Untersuchung ist dafür nicht routinemäßig erforderlich. Therapie und Zeitpunkt richten sich nach Spalttyp, Beschwerden, Atemwegen und Begleitfehlbildungen.

Teil 2 – Vor der Geburt: Verdacht, Klinikwahl und Beratung

Kann eine Ösophagusatresie schon vor der Geburt erkannt werden?

Eine Ösophagusatresie kann vor der Geburt vermutet, aber durch Ultraschall allein meist nicht sicher bestätigt werden. In einer systematischen Auswertung erkannte der pränatale Ultraschall nur etwa ein Drittel der betroffenen Kinder. Hinweise sind insbesondere ein Polyhydramnion, eine wiederholt kleine oder fehlende Magenblase und gelegentlich ein sichtbar gefüllter oberer Speiseröhrenblindsack. Diese Zeichen sind bei einer Atresie ohne distale Fistel häufiger als bei der häufigen Form mit distaler Fistel.

Bei auffälligem Ultraschall kann eine fetale MRT die Wahrscheinlichkeit besser einordnen und weitere Fehlbildungen darstellen. Auch die MRT kann einen Verdacht jedoch nicht in jedem Fall sicher bestätigen. Ein unauffälliger Befund schließt eine Ösophagusatresie nicht vollständig aus; die endgültige Diagnose erfolgt nach der Geburt.

Bei unserem Kind wurde ein Verdacht geäußert – müssen wir jetzt schnell handeln?

Ein pränataler Verdacht erfordert normalerweise keine fetale Notfallbehandlung. Er sollte jedoch zeitnah in einem spezialisierten Zentrum überprüft werden, damit Begleitfehlbildungen, Geburtsort, Erstversorgung und gegebenenfalls der Transport nach der Geburt geplant werden können. Die Operation ist bei einem stabilen Neugeborenen meist planbar, die korrekte Erstversorgung beginnt jedoch unmittelbar nach der Geburt.

Sie können eine Zweitmeinung und eine Beratung zur Klinikwahl einholen. Wenn eine Ösophagusatresie wahrscheinlich ist, ist eine geplante Geburt in einem Perinatalzentrum mit erfahrener Kinderchirurgie meist sicherer als ein nachträglicher Transport. Eine Verlegung nach der Geburt hängt vom Zustand des Kindes, der Atemwegssituation, der Entfernung und der verfügbaren Aufnahmekapazität ab und kann deshalb nicht uneingeschränkt zugesichert werden.

Bei einem vorgeburtlichen Verdacht auf eine Ösophagusatresie erreichen Sie unser Zentrum unter oesophagus@umm.de. Wir koordinieren kurzfristig die kinderchirurgische Beratung und die Geburtsplanung.

Warum sollten wir eine spezialisierte Klinik wählen – und wie erkennen wir Erfahrung?

Die Versorgung sollte in einem Zentrum erfolgen, das neonatalchirurgische Erfahrung und ein vollständiges multidisziplinäres Konzept nachweisen kann. Dazu gehören Neonatologie, Kinderanästhesie, Kinderchirurgie, erfahrene Atemwegs- und Speiseröhrenendoskopie, spezialisierte Pflege, Ernährungs- und Schlucktherapie sowie eine strukturierte Nachsorge bis ins Erwachsenenalter. Bei pränatal hohem Verdacht ist die geplante Geburt an einem solchen Standort sinnvoll.

Gute Fragen an die Klinik sind: Wie viele Primärkorrekturen und komplexe Revisionsoperationen wurden im letzten Jahr durchgeführt? Erfolgt vor der Korrektur eine Tracheobronchoskopie durch ein erfahrenes Atemwegsteam? Welche Erfahrung besteht mit Long-Gap-Atresien, Tracheomalazie, Re-Fisteln und schwierigen Anastomosenstenosen? Werden eigene Komplikations- und Langzeitergebnisse systematisch erfasst? Gibt es ein verbindliches Nachsorge- und Transitionsprogramm sowie Unterstützung für Familien mit weiter Anreise?

Wenn Geburts- und Operationsklinik nicht identisch sind, sollte vorab ein abgestimmter Plan für Erstversorgung, kinderchirurgische Rücksprache, Transportfähigkeit und Zielklinik vorliegen.

Wie viele Kinder mit Ösophagusatresie werden in Deutschland operiert – und warum ist die Fallzahl einer Klinik so wichtig?

Die Versorgung ist in Deutschland stark dezentralisiert. Eine Auswertung der bundesweiten Abrechnungsdaten der Jahre 2016–2022 zeigt, dass die Korrekturoperationen sich auf über 100 Kliniken verteilen und die mediane Fallzahl bei ein bis zwei Operationen pro Klinik und Jahr liegt. Ein deutlicher Trend zur Konzentration auf wenige Zentren war in diesem Zeitraum nicht erkennbar.

Stand August 2026 führen wir an unserem Zentrum jährlich rund zehn primäre Korrekturoperationen bei Ösophagusatresie durch. Zusätzlich behandeln wir viele zugewiesene Kinder mit Long-Gap-Konstellationen, Anastomosenstenosen, Tracheomalazie, Re-Fisteln und anderen komplexen Folgen.

Fallzahlen sind ein wichtiger Erfahrungsindikator, aber kein alleiniger Qualitätsnachweis. Entscheidend sind zusätzlich standardisierte Erstversorgung, Kinderanästhesie und Intensivmedizin, präoperative Atemwegsendoskopie, Komplikationsmanagement, Pflegekompetenz, transparente Ergebnisdaten und eine lebenslange multidisziplinäre Nachsorge.

Wir wohnen weit weg – wie läuft die Betreuung dann?

Aus ganz Deutschland kommen Familien zu uns, und wir haben unsere Abläufe darauf eingerichtet.

Vor der Geburt oder vor einer Verlegung sichten wir vorhandene Unterlagen und Bildgebung. In einem Telefon- oder Videotermin ordnen wir ein, welche Form der Vorstellung oder Verlegung sinnvoll ist und welche Schritte bereits heimatnah erfolgen können.

Während des Aufenthalts: Ein Elternteil kann direkt auf der Station beziehungsweise der IMC bleiben, beide Elternteile können im nahegelegenen Elternhaus wohnen.

Nach der Entlassung: Wir schreiben einen ausführlichen Nachsorgeplan an Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt zu Hause, in dem steht, welche Untersuchung wann fällig ist und was heimatnah erfolgen kann. Kontrolltermine bei uns bündeln wir möglichst an einem Tag.

Für fachliche Zwischenfragen erreichen Sie unser Ösophagus-Team unter oesophagus@umm.de.

Können wir eine Zweitmeinung einholen – auch per Video?

Ja. Sie haben das Recht auf eine medizinische Zweitmeinung. Bei seltenen und komplexen Erkrankungen ist es sinnvoll, sich in Ruhe zu informieren.

Das gilt vor der Geburt genauso wie später: auch dann, wenn Ihr Kind anderswo operiert wurde. Bitte halten Sie vorhandene Befunde bereit (Arztbriefe, Röntgen- und Kontrastmittelaufnahmen, Operationsberichte, Endoskopiebefunde).

Terminvereinbarung über Doctolib, telefonisch unter 0621 383-4681 oder per E-Mail an oesophagus@umm.de.

Können wir uns schon vor der Geburt beraten lassen?

Ja. Bei einem vorgeburtlichen Verdacht beraten wir Sie gern pränatal. Kontaktieren Sie unser Zentrum unter oesophagus@umm.de; wir koordinieren die beteiligten Fachbereiche.

Unabhängig davon berät Sie auch die Patienten- und Selbsthilfeorganisation KEKS e. V. kostenlos und ohne Mitgliedschaft – über die gebührenfreie Servicenummer 0800 0310584.

Welche Lebensperspektive hat ein Kind mit Ösophagusatresie?

Viele Kinder und Erwachsene mit korrigierter Ösophagusatresie führen ein selbstbestimmtes Leben, besuchen reguläre Schulen, treiben Sport, arbeiten und gründen Familien. Gleichzeitig sind Schluckstörungen, Reflux, Atemwegsprobleme, Essensblockaden oder Ernährungsfragen häufiger als in der Allgemeinbevölkerung und können auch bei äußerlich beschwerdefreiem Verlauf bestehen.

Eine sichere Erstversorgung und Operation schaffen die Grundlage. Für das langfristige Ergebnis sind jedoch ebenso Atemwegsmanagement, Ernährung, frühe Behandlung von Stenosen und Entzündungen, psychosoziale Unterstützung und eine strukturierte Nachsorge mit geplanter Transition entscheidend.

Ich habe große Angst – ist das normal?

Ja. Die Diagnose trifft Familien fast immer unvorbereitet, und Angst, Schlaflosigkeit, Grübeln oder das Gefühl, nicht mehr funktionieren zu können, sind normale Reaktionen auf eine belastende Situation – kein Zeichen von Schwäche.

Was erfahrungsgemäß hilft: den Befund von jemandem einordnen lassen, der viele davon gesehen hat; die schwierigen Fragen wirklich stellen zu dürfen; und zu wissen, dass die Erstversorgung planbar ist und nicht von Ihrer Entscheidungsgeschwindigkeit abhängt.

Wir bieten psychologische Begleitung an – vor der Geburt, während des Aufenthalts und danach, auf Wunsch auch für Geschwisterkinder. Sprechen Sie uns einfach an.

Teil 3 – Die Geburt und die ersten Stunden

Was passiert direkt nach der Geburt?

Nach der Geburt wird ein Kind mit Verdacht auf Ösophagusatresie nüchtern gehalten und auf einer neonatologischen Intensiv- oder Überwachungsstation versorgt. Der Oberkörper wird erhöht gelagert, der obere Speiseröhrenblindsack kontinuierlich abgesaugt und Flüssigkeit beziehungsweise Glukose zunächst über eine Vene gegeben.

Maskenbeatmung, CPAP oder andere positive Druckbeatmung können bei einer distalen Fistel Luft in Magen und Darm drücken und die Atmung zusätzlich erschweren. Sie werden deshalb möglichst vermieden oder durch ein erfahrenes neonatologisches und anästhesiologisches Team gezielt eingesetzt. Bei respiratorischer Instabilität kann eine frühe Atemwegssicherung und gegebenenfalls eine rasche Kontrolle der Fistel erforderlich sein. Ein stabiles Kind wird nach Abschluss der Basisdiagnostik meist in den ersten Lebenstagen operiert.

Wie wird die Diagnose nach der Geburt gesichert?

Zur Diagnosesicherung wird eine weiche, röntgendichte Sonde vorsichtig über Mund oder Nase vorgeschoben. Lässt sie sich nicht in den Magen führen, wird sie ohne Gewalt belassen und eine Röntgenaufnahme von Brustkorb und Bauch angefertigt. Die im oberen Blindsack aufgerollte Sonde bestätigt die Unterbrechung. Luft im Magen-Darm-Trakt spricht meist für eine distale Fistel; ein gasleerer Bauch eher für eine Atresie ohne distale Fistel. Der Abstand der beiden Speiseröhrenenden lässt sich aus dieser Standardaufnahme relativ gut ableiten.

Anschließend werden Begleitfehlbildungen systematisch erfasst. Bei stabilem Kind gehören Echokardiografie mit Aortenbogenlage sowie Ultraschall von Bauch, Nieren und Harnwegen zur präoperativen Basisdiagnostik; weitere Untersuchungen richten sich nach dem klinischen Befund.

Was ist die Replogle- oder Schlürfsonde?

Eine Replogle-Sonde ist eine doppellumige Sonde, die im oberen Speiseröhrenblindsack liegt und Speichel kontinuierlich mit niedrigem Sog ableitet. Dadurch wird das Aspirationsrisiko vermindert. Die Sonde muss korrekt positioniert, regelmäßig auf Durchgängigkeit geprüft und nach lokalem Protokoll vorsichtig gespült werden.

Eine verstopfte, zu tief liegende oder nicht ausreichend wirksame Sonde kann die Sicherheit beeinträchtigen. Das Replogle-Management durch geschulte Pflegekräfte ist deshalb ein wesentlicher Bestandteil der präoperativen Versorgung.

Teil 4 – Die Operation

Können wir vor einer bereits geplanten Operation eine Zweitmeinung einholen?

Ja. Eine Zweitmeinung ist besonders sinnvoll bei Long-Gap-Ösophagusatresie, unklarer Atemwegsanatomie, ausgeprägter Tracheomalazie, mehrfachen Fisteln sowie vor Revisionsoperationen, Fundoplikatio oder einer geplanten Speiseröhrenersatzoperation. Wir beurteilen nicht nur den technischen Eingriff, sondern auch Atemweg, Ernährung, Reflux und die langfristige Erhaltung der eigenen Speiseröhre.

Bei einem Neugeborenen mit gesicherter Ösophagusatresie dürfen Absaugung des oberen Blindsacks, Aspirationsschutz, Stabilisierung und erforderliche Verlegung nicht durch die Einholung einer Zweitmeinung verzögert werden. Die behandelnde Klinik kann uns jederzeit direkt kontaktieren; bei stabilem Verlauf sichten wir Unterlagen und Bildgebung vorab und besprechen die Strategie telefonisch oder per Video.

Anfragen für eine Zweitmeinung richten Sie bitte an unser kolorektales Team unter oesophagus@umm.de; wir koordinieren bei Bedarf ein persönliches Gespräch mit Professor Boettcher.

Wie wird die Behandlungsstrategie festgelegt?

Die Strategie richtet sich nach Atresietyp, Abstand und Beschaffenheit der Speiseröhrenenden, Geburtsgewicht, Frühgeburtlichkeit, Atemwegssituation, Herzfehlern und weiteren Begleitbefunden. Ziele sind der sichere Verschluss einer Fistel, der Schutz der Atemwege und eine funktionelle Speiseröhre. Die eigene Speiseröhre soll erhalten werden, sofern dies mit vertretbarer Spannung und ohne unverhältnismäßige Risiken möglich ist.

Bei der häufigen Form ist eine primäre Anastomose meist möglich. Bei Long-Gap-Atresie, schwerer Instabilität oder komplexen Begleitfehlbildungen kann ein mehrstufiges Vorgehen sicherer sein. Nutzen, Risiken und mögliche Alternativen werden vor der Operation mit den Eltern besprochen.

Warum wird vor der Operation eine Bronchoskopie gemacht?

Vor der Korrektur wird in der Regel eine Tracheobronchoskopie durch ein erfahrenes Atemwegsteam durchgeführt, meist in derselben Narkose wie die Operation. Je nach Fragestellung kommen starre und flexible Optiken sowie eine dynamische Beurteilung während spontaner Atmung infrage.

Die Untersuchung zeigt Lage und Größe der Fistel, mögliche zusätzliche oder proximale Fisteln und die Stabilität von Luftröhre und Hauptbronchien. Eine vermutete Larynxspalte wird durch eine gezielte direkte Kehlkopfuntersuchung beurteilt. Die Befunde können Beatmungsstrategie, Zugangsweg und die Entscheidung über eine zusätzliche Atemwegsoperation verändern.

Die präoperative Bronchoskopie entspricht den ERNICA-Konsensempfehlungen. Deutsche Abrechnungsdaten dokumentierten sie im untersuchten Zeitraum nur bei einem Teil der Korrekturoperationen; Abrechnungsdaten können die tatsächliche Durchführung allerdings unterschätzen. Eltern und Zuweiser dürfen nach dem standardisierten Atemwegsprotokoll des Zentrums fragen.

Muss zur Operation der Brustkorb geöffnet werden?

Bei geeigneter Anatomie führen wir die Primärkorrektur überwiegend minimal-invasiv thorakoskopisch durch. Bei ausgewählten älteren Patientinnen und Patienten kann ein roboterassistierter Eingriff sinnvoll sein. Welcher Zugang am sichersten ist, hängt von Körpergröße, Kreislauf- und Atemwegssituation, Atresietyp, Abstand der Speiseröhrenenden sowie Gefäß- und Atemwegsanatomie ab.

Bei der häufigen Form wird die distale Fistel verschlossen und die beiden Speiseröhrenenden werden mit feinen Nähten verbunden. Bei kritischer Spannung, ungünstiger Anatomie oder instabilem Kind kann ein offener oder mehrstufiger Weg sicherer sein.

Was ist eine dorsale Tracheopexie – und warum wird sie oft gleich mitgemacht?

Bei einer Tracheomalazie ist der Knorpel der Luftröhre so weich, dass sie beim kräftigen Einatmen oder beim Schreien zusammenfällt. Die Kinder bekommen dann schlecht Luft – typisch sind bellender Husten, pfeifende Atmung und in schweren Fällen Anfälle, bei denen das Kind plötzlich blau anläuft und für Sekunden keine Luft bekommt (sogenannte „blue spells“).

Untersucht wird die Tracheomalazie mittels Bronchoskopie in Spontanatmung. Bei ausgeprägten Formen – wenn sich die Luftröhre bei der Spiegelung hochgradig zusammenlegt (Grad III–IV) – stabilisieren wir sie mit einer dorsalen Tracheopexie: Die Rückwand der Luftröhre wird nach hinten an die Wirbelsäulenfaszie geheftet, sodass sie auch bei forcierter Atmung offen bleibt.

Warum wir das direkt bei der Erstoperation mitmachen: Die Luftröhre liegt bei der Korrektur der Ösophagusatresie ohnehin frei vor uns. Der zusätzliche Schritt verlängert die Operation um wenige Minuten – Ihr Kind braucht dafür also weder eine zweite Narkose noch einen zweiten Eingriff. Nach unserer Erfahrung ist die Atmung danach deutlich stabiler, mit weniger Atemwegsinfekten und weniger blauen Anfällen (blue spells) im ersten Lebensjahr.

Fragen zur dorsalen Tracheopexie richten Sie bitte an oesophagus@umm.de; wir koordinieren bei Bedarf ein persönliches Gespräch mit Professor Boettcher.

Was passiert bei instabilen Neugeborenen oder bei großem Abstand (long gap)?

Bei sehr unreifen oder instabilen Neugeborenen steht zunächst die Stabilisierung von Atmung und Kreislauf im Vordergrund. Wenn eine distale Fistel die Beatmung wesentlich erschwert, kann ein früher Fistelverschluss notwendig sein. Ob gleichzeitig eine Gastrostomie zur Ernährung angelegt oder die Anastomose auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird, entscheidet das Team anhand der individuellen Risiken.

Bei Long-Gap-Atresie ist eine verzögerte primäre Anastomose nach natürlichem Wachstum der Speiseröhrenenden für viele Kinder die bevorzugte Strategie. In ausgewählten Fällen können thorakoskopisch platzierte interne Traktionsnähte das Wachstum unterstützen. Ein Speiseröhrenersatz wird erst erwogen, wenn eine sichere Verbindung der eigenen Speiseröhre nicht realistisch oder nur mit unverhältnismäßiger Belastung erreichbar ist.

Bei der isolierten Atresie ohne Fistel wird häufig früh eine Gastrostomie zur sicheren Ernährung angelegt. Gleichzeitig werden Saugen, orale Stimulation und sogenanntes Sham Feeding unterstützt, damit Mundmotorik und positive Esserfahrungen erhalten bleiben. Der Zeitpunkt der Rekonstruktion richtet sich nach Wachstum, Gap-Länge und Zustand des Kindes. Als praktische Orientierung führen wir die Korrektur bei einer Long-Gap-Ösophagusatresie ohne Fistel (Vogt Typ II) meist bei einem Körpergewicht von 3–5 kg durch; ein Gewichtswert allein ist jedoch nie das alleinige Kriterium.

Was geschieht, wenn eine Rekonstruktion mit der eigenen Speiseröhre nicht möglich ist?

Wenn eine sichere Rekonstruktion mit der eigenen Speiseröhre nicht möglich ist, kommen als Ersatz je nach Anatomie und Erfahrung des Zentrums ein Magenhochzug, ein Magenschlauch sowie in ausgewählten Situationen ein Dickdarm- oder Dünndarmsegment infrage. Kein Verfahren ist für alle Kinder gleichermaßen geeignet. In unserem Zentrum verwenden wir überwiegend den Schlauchmagenhochzug, weil er nach unserer Erfahrung technisch zuverlässig ist, ohne zusätzliche Darmanastomosen auskommt und langfristig sehr gute funktionelle Ergebnisse zeigt.

Die ERNICA-Empfehlungen priorisieren den Erhalt der eigenen Speiseröhre. Dieses Ziel darf jedoch nicht zu unbegrenzt vielen belastenden Eingriffen oder einer Anastomose unter unvertretbarer Spannung führen. Die Entscheidung berücksichtigt Operationsrisiko, zu erwartende Funktion, bisherige Eingriffe, Begleiterkrankungen und die Perspektive der Familie.

Auch nach einem Speiseröhrenersatz können Betroffene selbstständig essen und einen aktiven Alltag führen. Schluckstörungen, Reflux, verzögerte Magenentleerung, Dumping, Atemwegsprobleme sowie Schwierigkeiten mit Wachstum und Ernährung kommen dabei vor. Deshalb ist eine lebenslange, auf das verwendete Organ abgestimmte endoskopische und funktionelle Nachsorge erforderlich.

Was macht man bei einer tracheoösophagealen Re-Fistel?

Eine tracheoösophageale Re-Fistel ist eine erneute Verbindung zwischen Speise- und Luftröhre nach der Erstoperation. Hinweise sind Husten oder Blauverfärbung beim Trinken, wiederkehrende Aspiration, Lungenentzündungen, ungewöhnlich viel Luft im Magen oder eine Abhängigkeit der Beschwerden von der Nahrungsaufnahme.

Die Diagnostik kombiniert eine gezielte Kontrastdarstellung mit Bronchoskopie und Ösophagoskopie. Häufig ist eine sorgfältig durchgeführte Rückzugs- beziehungsweise Druckdarstellung aussagekräftiger als ein gewöhnlicher Schluckakt. Der Befund wird idealerweise in einer gemeinsamen Atemwegs- und Speiseröhrenendoskopie bestätigt.

Bei kleinen, gut zugänglichen Fisteln können endoskopische Verfahren eingesetzt werden. Dabei wird der Fistelgang kontrolliert de-epithelialisiert, beispielsweise mechanisch, mit Trichloressigsäure, Laser oder Elektrokauter, und je nach Befund zusätzlich verschlossen. Mehrere Sitzungen können erforderlich sein; ein Teil der Kinder benötigt anschließend dennoch eine thorakoskopische oder offene operative Trennung mit Gewebeinterposition. Die Wahl richtet sich nach Größe, Verlauf, Voroperationen, Atemwegssituation und Erfahrung des Zentrums.

Fragen zur Operation richten Sie bitte an unser Ösophagus-Team unter oesophagus@umm.de; wir koordinieren bei Bedarf ein persönliches Gespräch mit Professor Boettcher.

Teil 5 – Nach der Operation

Wie geht es nach der Operation weiter?

Nach einer primären Anastomose beträgt der stationäre Aufenthalt bei unkompliziertem Verlauf in unserem Zentrum häufig etwa zwei Wochen, kann aber je nach Frühgeburtlichkeit, Begleitfehlbildungen, Atemwegen und Nahtspannung deutlich variieren. Eine Ernährung über eine während der Operation eingelegte transanastomotische Sonde kann häufig früh begonnen werden.

Vor dem oralen Kostaufbau führen wir in unserem Zentrum am fünften postoperativen Tag eine Kontrastdarstellung durch. Anschließend beginnt – abhängig vom Zustand des Kindes – unter fachlicher Begleitung der orale Kostaufbau durch Stillen oder Flaschenfütterung. Spezialisierte Pflege und bei Bedarf Logopädie unterstützen Sie dabei. Die Entlassung erfolgt, wenn Atmung und Kreislauf stabil sind, Ernährung und Gewichtsentwicklung funktionieren und Sie für den Alltag sicher vorbereitet sind.

Wird unser Kind nach der Operation beatmet und sediert?

Nach der Korrektur bleibt ein Teil der Kinder für eine kurze Zeit beatmet, andere werden bereits im Operationssaal wach. Wie lange, hängt vor allem von Frühgeburtlichkeit und Atemwegssituation ab.

Was ist eine Anastomoseninsuffizienz (undichte Naht)?

Eine Anastomoseninsuffizienz ist eine Undichtigkeit an der neuen Verbindung der Speiseröhre. Hinweise können Fieber, Entzündungszeichen, zunehmende Atemprobleme oder Veränderungen im Röntgenbild sein. Bei klinischem Verdacht wird gezielt mit Kontrastmittel und gegebenenfalls endoskopisch untersucht; eine unauffällige Routineuntersuchung ersetzt nicht die klinische Beurteilung.

Kleine, begrenzte Undichtigkeiten können häufig konservativ mit ausreichender Drainage, angepasster Ernährung und gegebenenfalls Antibiotika ausheilen. Große oder nicht ausreichend drainierte Leckagen sowie eine klinische Verschlechterung können endoskopische Verfahren, Vakuumtherapie, einen Stent oder eine erneute Operation erforderlich machen. Die Behandlung richtet sich nach Größe, Lage, Drainage, Allgemeinzustand und Begleitinfektion.

Können wir als Eltern bei unserem Kind bleiben?

Ja. Während des stationären Aufenthalts kann ein Elternteil auf der kinderchirurgischen Station oder der IMC unmittelbar beim Kind bleiben. Beide Elternteile können im nahegelegenen Elternhaus wohnen.

Kann unser Kind normal essen und trinken lernen – und dürfen wir stillen?

Die Kinder lernen zu trinken und zu essen, jedoch nicht alle gleich schnell. Nach einer Ösophagusatresie ist die Eigenbewegung der Speiseröhre fast immer verändert; zusätzlich können Anastomosenstenose, Reflux, eosinophile Ösophagitis, Aspiration, Tracheomalazie und belastende orale Erfahrungen das Essen erschweren.

Der Kostaufbau erfolgt deshalb strukturiert mit Schluck- und Fütterdiagnostik, Logopädie beziehungsweise Sprach- und Schlucktherapie, Ernährungsberatung und bei Bedarf Physio- oder Ergotherapie. Husten, feuchte Stimme, Blauverfärbung oder wiederkehrende Atemwegsinfekte beim Trinken erfordern eine gezielte Aspirationsabklärung. Eine Ernährungssonde kann vorübergehend oder längerfristig notwendig sein und wird erst reduziert, wenn orale Sicherheit und Wachstum gewährleistet sind.

Muttermilch ist ausdrücklich erwünscht und kann gegebenenfalls über die Ernährungssonde gegeben werden. Stillen oder Flaschentrinken beginnen, sobald die Anastomose, Atemwegssituation und Schlucksicherheit dies erlauben. Bei Long-Gap-Atresie fördern wir bis dahin Saugen ohne Nahrungsfluss, Mundpflege und – wenn sicher möglich – Sham Feeding, damit orale Fähigkeiten erhalten bleiben.

Teil 6 – Essen, Trinken und akute Situationen im Alltag

Was tun, wenn Essen in der Speiseröhre stecken bleibt?

Bei einer Bolusblockade (sogenannter „Steckenbleiber“) steckt Nahrung in der Speiseröhre fest. Typisch sind plötzliches Würgen, Schmerzen hinter dem Brustbein, vermehrtes Speicheln oder die Unfähigkeit, Speichel und Flüssigkeit zu schlucken. Die Atemwege können frei sein, dennoch ist eine vollständige Blockade ein dringlicher endoskopischer Notfall.

So gehen Sie vor:

  • Ruhe bewahren. Nichts weiter essen lassen und keine Medikamente, kohlensäurehaltigen Getränke oder weitere Nahrung zum „Hinunterdrücken“ geben. Kein Erbrechen auslösen.
  • Bei Atemnot, Blauverfärbung, Bewusstseinsstörung oder fehlender Fähigkeit zu sprechen, weinen oder wirksam zu husten sofort den Notruf 112 wählen und die erlernten Erste-Hilfe-Maßnahmen anwenden.
  • Kann das Kind Speichel nicht schlucken, speichelt es anhaltend oder bleibt das Fremdkörpergefühl bestehen, unverzüglich eine Kinderklinik mit endoskopischer Bereitschaft aufsuchen. Nicht bis zum nächsten Tag abwarten.
  • Auch wenn sich der Bissen spontan löst, sollte bei der ersten oder wiederholten Blockade das Ösophaguszentrum informiert werden. Mögliche Ursachen sind eine Anastomosenstenose, Speiseröhrenmotilitätsstörung, Refluxentzündung oder eosinophile Ösophagitis.
  • Sie können uns jederzeit anrufen – unter 0621 383 1616.

Vorbeugend helfen altersgerechte kleine Bissen, gründliches Kauen, „Nachtrinken“, ausreichend Zeit und eine individuell passende Konsistenz. Starre Verbotslisten sind weniger hilfreich als eine fachliche Abklärung, wenn bestimmte Lebensmittel wiederholt Probleme verursachen.

Was ist eine Anastomosenstenose – und wie wird sie behandelt?

Eine Anastomosenstenose ist eine narbige Verengung an der Speiseröhrennaht. Hinweise sind zunehmende Schluckbeschwerden, langes Essen, häufiges Nachtrinken, Erbrechen unverdauter Nahrung, Gedeihstörung oder Bolusblockaden. Bei Säuglingen können Husten und Probleme beim Übergang zu festerer Kost im Vordergrund stehen.

Symptomatische Stenosen werden in unserem Zentrum endoskopisch mit einem Ballon aufgedehnt. Viele Kinder benötigen nur ein oder zwei Sitzungen, andere wiederholte Behandlungen. Die Dilatation ist ein etabliertes Verfahren, birgt aber selten Risiken wie Blutung oder Perforation und soll durch ein erfahrenes Team erfolgen.

Wie führen wir die Beikost ein – und welche Konsistenz ist wann richtig?

Der Übergang von Milch zu fester Kost ist für viele Familien nach einer Ösophagusatresie besonders anspruchsvoll. Wir begleiten ihn deshalb mit einem klaren, individuell angepassten Stufenplan. Als gemeinsame Sprache nutzen wir die international standardisierte IDDSI-Skala. So verstehen Eltern, Kita, Logopädie, Ernährungsberatung und Klinik unter Begriffen wie „püriert“ oder „weich“ dasselbe.

Wann Ihr Kind welchen Schritt geht, legen wir individuell fest. Maßgeblich sind der Befund an der Anastomose, die Schluckdiagnostik und das Gedeihen – nicht das Alter allein. Beginnen Sie eine neue Stufe bitte immer erst nach Rücksprache mit uns. Der folgende Fahrplan ist der Regelweg, von dem wir bewusst abweichen, wenn es Ihr Kind erfordert.

  1. Stufe 1 – glatt püriert (IDDSI-Stufe 3): Der Beikoststart erfolgt deutlich glatter als bei anderen Kindern. Die Nahrung ist so dünn, dass sie langsam vom Löffel fließt, und enthält keinerlei Stückchen. Verdünnen Sie am Anfang mit Muttermilch oder der gewohnten Säuglingsnahrung. Über etwa zwei Wochen dicken Sie dann schrittweise an.
  2. Stufe 2 – dickflüssig püriert (IDDSI-Stufe 4): Die Nahrung bleibt auf dem Löffel liegen und fällt nicht von selbst herunter, ist aber weiterhin vollkommen glatt. Diese Konsistenz bleibt über mehrere Wochen bis Monate die Hauptkost.
  3. Stufe 3 – weich mit sehr kleinen Stücken (IDDSI-Stufe 5): Etwa ab dem ersten Geburtstag, häufig auch später, kommen weiche Stückchen hinzu. Sie sollten nicht größer als etwa zwei mal zwei Millimeter sein und sich mit der Gabel zerdrücken lassen. Feuchten Sie die Speisen gut an, zum Beispiel mit Soße.
  4. Stufe 4 – weiche Familienkost: Ihr Kind isst mit am Tisch, was alle essen, in weicher Zubereitung und kleinen Bissen. Viele Kinder erreichen diese Stufe im Vorschulalter; manche brauchen dauerhaft etwas weichere Kost, und auch das ist ein gutes Ergebnis.

Trinken lernen – der Punkt, der am häufigsten übersehen wird

Bieten Sie Getränke von Anfang an aus einem offenen Becher oder einem Becher ohne Ventil an. Auslaufsichere Trinklernbecher verleiten zum Saugen – dabei lernt Ihr Kind gerade nicht zu nippen. Genau das Nippen braucht es aber später, um festere Nahrung sicher nachzuspülen. Für unterwegs eignen sich Becher mit 360-Grad-Trinkrand. Wasser zur Mahlzeit ist bei Ösophagusatresie kein Beiwerk, sondern Teil der Esstechnik.

Fingerfood zum Beißen und Kauen

Etwa ab dem achten Lebensmonat sind Fingerfoods sinnvoll, die im Mund von selbst zergehen, sobald sie mit Speichel in Kontakt kommen. So übt Ihr Kind Abbeißen und Kauen, ohne dass ein fester Bissen stecken bleiben kann. Bleiben Sie dabei immer in Sichtweite und lassen Sie Ihr Kind aufrecht sitzend essen.

Welche Lebensmittel erfahrungsgemäß Schwierigkeiten machen

Zwei Gruppen fallen im Alltag immer wieder auf. Erstens Speisen, die im Mund zu einem festen Klumpen zusammenkleben und typische Ursache von Bolusblockaden sind: frisches Weißbrot und Brötchen, Gebäck und dicker Pizzarand, roher Apfel und rohes Gemüse, Zitrusfrüchte mit den weißen Häutchen, Würstchen sowie größere Fleischstücke. Zweitens Speisen, die aus anderen Gründen schwierig sind: rutschige Lebensmittel wie Pfirsich oder Weintrauben, die unzerkaut hinuntergleiten und deshalb geviertelt und entkernt gehören; Zwieback und Kekse, die beim Kauen zunächst weich werden und dann klumpen; sowie faserige Gemüse wie grüne Bohnen oder Sellerie.

Das ist ausdrücklich keine Verbotsliste. Viele Kinder essen einzelne dieser Lebensmittel problemlos. Die Liste soll Ihnen helfen zu verstehen, warum es bei bestimmten Speisen hakt – und wonach wir fragen, wenn Sie uns von einem Steckenbleiber berichten.

Was im Alltag praktisch hilft

Pürieren Sie die Zutaten getrennt und nicht alles zusammen. Ihr Kind lernt so die einzelnen Geschmäcker kennen, und Sie können die Konsistenz jeder Komponente gezielt steuern. Kochen Sie größere Mengen vor und frieren Sie sie portionsweise ein, zum Beispiel in Eiswürfelbehältern. Lassen Sie Ihr Kind das Essen anfassen und damit spielen – auch das ist Teil des Lernens und nimmt Druck aus der Situation.

Es gibt gute und schlechte Tage

Bei einem Infekt, beim Zahnen oder in aufregenden Phasen isst Ihr Kind schlechter als in der Woche zuvor. Das ist normal und kein Rückschritt in der Entwicklung. Halten Sie für solche Tage einen Vorrat leicht essbarer Speisen bereit – Suppe, Joghurt, Milchshake, Pudding. Vorübergehend eine Stufe zurückzugehen ist ausdrücklich erlaubt.

Etwas anderes ist es, wenn Ihr Kind eine Konsistenz, die es über Wochen sicher gegessen hat, dauerhaft wieder schlechter schafft, wenn die Mahlzeiten länger werden oder wenn es Nahrung zu vermeiden beginnt. Das ist keine Phase und kein Trotz, sondern ein Befund. Die häufigste Ursache ist eine Anastomosenstenose – gut behandelbar, aber nur, wenn wir davon erfahren. Melden Sie sich in diesem Fall zeitnah bei uns.

Wenn Ihr Kind das Essen ganz verweigert

Eine einzige unangenehme Erfahrung – ein Steckenbleiber, ein schmerzhafter Schluck, eine unangenehme Untersuchung – kann bei einem kleinen Kind lange nachwirken und in eine Fütterstörung münden. Das ist kein Erziehungsproblem und nicht Ihre Schuld. Wir binden dann frühzeitig unsere Fütter- und Schlucksprechstunde mit Logopädie, Ernährungsberatung und psychologischer Begleitung ein.

Unser Kind isst langsam und nimmt kaum zu – ist das normal?

Langsames Essen ist nach Ösophagusatresie häufig, sollte aber nicht pauschal als normal abgetan werden. Es kann eine Anpassung an die Motilitätsstörung sein, aber auch auf Stenose, Reflux, eosinophile Ösophagitis, Aspiration, Schmerzen oder eine Fütterstörung hinweisen. Besonders wichtig sind Essensdauer, Husten beim Trinken, vermiedene Konsistenzen, Bolusblockaden und der Verlauf von Gewicht und Länge.

In heterogenen Langzeitstudien war ungefähr ein Fünftel der Erwachsenen untergewichtig. Ein Abknicken der Wachstumskurve, Mahlzeiten von regelmäßig mehr als 30 Minuten oder zunehmende Nahrungsvermeidung sind Gründe für eine zeitnahe Abklärung. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Sie kann Konsistenzanpassung, Ess- und Schlucktherapie, Ernährungsberatung, Behandlung von Reflux oder eosinophile Ösophagitis, Dilatation einer Stenose und bei Bedarf hochkalorische Nahrung oder eine Ernährungssonde umfassen. Eine Sonde ist kein Scheitern, sondern dient der sicheren Ernährung und entlastet konfliktreiche Mahlzeiten.

Gibt es Einschränkungen im Kindergarten und bei Kindergeburtstagen?

Im Alltag helfen eine aufrechte Sitzposition, ausreichend Essenszeit, kleine gut kaubare Bissen und eine zum Kind passende Konsistenz. Betreuungspersonen müssen wissen, woran eine Bolusblockade erkennbar ist und dass ein feststeckender Bissen nicht mit weiterer Nahrung oder Flüssigkeit nachgeschoben werden darf.

Kita und Schule sollten einen schriftlichen individuellen Notfall- und Essensplan erhalten: benötigte Essenszeit, geeignete Konsistenzen, freier Zugang zu Getränken, Verhalten bei Husten oder Bolusblockade und relevante Notfallnummern. Ihr Kind entscheidet altersgerecht mit, welche Informationen weitergegeben werden.

Darf oder soll unser Kind Sport machen?

Ja – und wir raten ausdrücklich dazu. In einer Untersuchung an Kindern mit Ösophagusatresie nahmen 93 % am regulären Schulsport teil und 86 % zusätzlich an organisiertem Vereinssport. Eine pauschale Sportbefreiung ist fast nie gerechtfertigt und schadet mehr, als sie nützt. Sport unterstützt die Entwicklung von Lunge, Herz und Muskulatur und wirkt nach einer Brustkorberöffnung zusätzlich Fehlhaltung und Wirbelsäulenverkrümmung entgegen.

In Belastungstests erreichen Kinder und Erwachsene mit Ösophagusatresie im Mittel etwas niedrigere Werte als Gleichaltrige, und viele beschreiben beim Sport ein Unwohlsein – am häufigsten Atemnot und Refluxbeschwerden. Beides ist behandelbar. Wenn Ihr Kind Sport meidet, steckt deshalb selten Unlust dahinter. Sprechen Sie uns gerne an.

Wann müssen wir uns sofort melden – auch nachts oder am Wochenende?

Bei den folgenden Zeichen sollten Sie nicht bis zum nächsten Termin warten, sondern Ihr Kind umgehend vorstellen – bei schwerer Beeinträchtigung über den Rettungsdienst (Notruf 112):

  • Bolusblockade mit der Unfähigkeit, Speichel zu schlucken, oder anhaltendem Speicheln.
  • Atemnot, blaue Anfälle (blue spells), anhaltender Husten oder Blauverfärbung beim Trinken.
  • Fieber mit Husten und schneller Atmung – möglicher Hinweis auf eine Aspirationspneumonie.
  • Erbrechen von Blut, schwarzer Stuhl oder plötzliche starke Schmerzen hinter dem Brustbein.
  • Ein Kind, das zunehmend krank, blass oder teilnahmslos wirkt.
  • Unsere Notfallnummer 0621 383-1616 ist rund um die Uhr, auch nachts und an Feiertagen, besetzt. Rufen Sie im Zweifel frühzeitig an, damit wir die Dringlichkeit einschätzen und das weitere Vorgehen abstimmen können.

Sagen Sie in der aufnehmenden Klinik immer aktiv, dass Ihr Kind eine Ösophagusatresie hat – das verändert die Bewertung der Beschwerden und des Röntgenbildes erheblich. Informieren Sie uns anschließend, damit wir die Weiterbehandlung abstimmen können: 0621 383 1616.

Im Zweifel gilt: lieber einmal zu früh vorstellen als zu spät.

Teil 7 – Nachsorge und Leben mit operierter Speiseröhre

Wie sieht die Nachsorge aus?

Alle Patientinnen und Patienten werden in unserem Zentrum in ein strukturiertes, symptomunabhängiges Nachsorgeprogramm aufgenommen. Je nach Alter und Befund werden Wachstum und Ernährung, Schlucken, Reflux und Speiseröhrenschleimhaut, Atemwege, Hören und Stimme, Wirbelsäule, Entwicklung, Lebensqualität und psychosoziale Belastungen beurteilt. Das Team umfasst Kinderchirurgie, Kinderpneumologie, Kindergastroenterologie, Kinderpsychologie, Schluck- und Ernährungstherapie sowie bei Bedarf weitere Fächer. Die Transition in die Erwachsenenmedizin wird vorbereitet und verbindlich übergeben.

Warum ist die Nachsorge auch dann wichtig, wenn unser Kind beschwerdefrei ist?

Beschwerden und objektive Befunde stimmen nach Ösophagusatresie nicht immer überein. Eine Schleimhautentzündung oder Barrett-Schleimhaut kann symptomarm sein; eine zunehmende Stenose wird manchmal durch langsames Essen, langes Kauen und Vermeiden bestimmter Konsistenzen kompensiert. Atemwegsprobleme, Hör- oder Stimmstörungen und eine Wirbelsäulenverkrümmung können sich ebenfalls erst im Verlauf zeigen.

Deshalb gehören regelmäßige klinische Kontrollen und je nach Alter beziehungsweise Befund auch Endoskopien mit Gewebeproben zur Nachsorge. Internationale pädiatrische Empfehlungen sehen endoskopische Kontrollen nicht nur bei Beschwerden, sondern auch zu definierten Zeitpunkten in Kindheit und Transition vor. Die genaue Frequenz wird an Reflux, Histologie, Stenosen, Symptomen und Voroperationen angepasst.

Welche Langzeitthemen sind möglich – zum Beispiel Reflux oder Schluckprobleme?

Viele Menschen mit operierter Speiseröhre führen ein weitgehend normales Leben. Es gibt jedoch typische Themen, die wir in der Nachsorge gut im Blick behalten:

  • Gastroösophagealer Reflux: häufig; langfristig kann eine Refluxösophagitis eine Umwandlung der Schleimhaut (Barrett-Ösophagus) begünstigen. Reflux lässt sich in der Nachsorge meist gut behandeln; nur selten ist eine Operation nötig.
  • Anastomosenstenose: Enge an der Naht, meist per Ballondilatation behandelbar (siehe Teil 6).
  • Bolusblockade: Nahrung bleibt in der Speiseröhre stecken (siehe Teil 6).
  • Tracheo- oder Bronchomalazie: dynamische Instabilität der Luftwege mit bellendem Husten, Sekretstau, Atemnot oder wiederkehrenden Infekten.
  • Eosinophile Ösophagitis: eine allergisch vermittelte Entzündung der Speiseröhre.
  • Je nach Operation außerdem Dumping-Syndrom, Aspiration, wiederkehrende Atemwegsinfekte, Stimm- oder Hörprobleme, Wirbelsäulen- und Brustwandveränderungen, Narbenbeschwerden sowie psychische und soziale Belastungen.

Nicht jedes Kind entwickelt diese Probleme. Wichtig ist, sie zu kennen und früh anzusprechen – dafür ist die strukturierte Nachsorge da.

Was ist bei Atemwegsinfekten und Impfungen zu beachten?

Kinder mit Ösophagusatresie haben häufiger und oft langwierigere Atemwegsinfekte als andere Kinder. Ursachen sind die veränderte Beweglichkeit der Speiseröhre, Reflux mit Mikroaspiration, ein erschwertes Abhusten bei Tracheomalazie und – seltener – eine unerkannte Re-Fistel.

Deshalb gilt: Ein Infekt, der nicht abklingt, eine Lungenentzündung, die wiederkehrt, oder Husten, der immer beim Trinken auftritt, sind kein Grund zum Abwarten, sondern ein Grund für eine gezielte Abklärung und Behandlung.

Impfungen empfehlen wir vollständig nach dem jeweils gültigen STIKO-Kalender, einschließlich der Pneumokokken- und – ab dem entsprechenden Alter – der jährlichen Grippeimpfung. Für die erste RSV-Saison steht eine spezifische RSV-Prophylaxe zur Verfügung. Sprechen Sie uns an, wenn Sie unsicher sind – gerade bei Kindern, die im Herbst oder Winter entlassen werden.

Braucht unser Kind eine Antireflux-Operation (Fundoplicatio)?

Eine Fundoplicatio ist bei Ösophagusatresie keine Routinebehandlung. Sie kann Dysphagie, Gas-Bloat und Dumping verstärken und im Verlauf ihre Wirkung verlieren. Deshalb wird sie erst nach objektiver Diagnostik und interdisziplinärer Abwägung empfohlen.

Vor einer Operation werden Endoskopie mit mehrstufigen Biopsien, pH-Impedanzmessung, Anatomie, Magenentleerung, Schluckfunktion und Atemwege beurteilt. Stenose, Motilitätsstörung, Aspiration und eosinophile Ösophagitis müssen erkannt und behandelt werden. Eine alleinige Symptomdiagnose reicht nicht aus.

Eine Antirefluxoperation wird bei objektiv nachgewiesenem, trotz optimierter konservativer Therapie klinisch relevantem Reflux erwogen – insbesondere bei Schleimhautschaden, wiederkehrender refluxbedingter Aspiration, Gedeihstörung oder rezidivierender peptischer Stenose. Wegen der häufig ausgeprägten Motilitätsstörung der Speiseröhre wird die Indikation interdisziplinär gestellt. Ist eine Fundoplikatio erforderlich, führen wir diese minimal-invasiv laparoskopisch oder roboterassistiert durch.

Was ist ein Dumping-Syndrom – und woran erkennen wir es?

Von Dumping spricht man, wenn Nahrung zu schnell aus dem Magen in den Dünndarm gelangt. Das kann nach einer Antireflux-Operation und nach einem Speiseröhrenersatz mit Magenhochzug oder Magenschlauch auftreten.

Woran Sie es erkennen: Beim frühen Dumping wird das Kind kurz nach der Mahlzeit blass, schwitzt, wirkt schlapp, hat Bauchschmerzen, Herzrasen oder Durchfall. Beim späten Dumping treten ein bis drei Stunden nach dem Essen Zeichen einer Unterzuckerung auf – Zittern, Blässe, Schwitzen, auffällige Müdigkeit oder Reizbarkeit. Beides kann leicht als fehlgedeutet werden.

Was hilft: kleinere und häufigere Mahlzeiten, Trennung von fester Nahrung und Getränken, weniger schnell verfügbarer Zucker, mehr komplexe Kohlenhydrate und Ballaststoffe. Reicht das nicht aus, gibt es medikamentöse Möglichkeiten. Wichtig ist, den Verdacht überhaupt zu äußern – dann lässt er sich mit einer Blutzuckermessung im richtigen Zeitfenster gut prüfen.

Unser Kind hat trotz Refluxbehandlung anhaltende Schluckbeschwerden – kann eine eosinophile Ösophagitis dahinterstecken?

Ja. Die eosinophile Ösophagitis (EoE) ist eine chronische, immunvermittelte Entzündung der Speiseröhre und tritt nach Ösophagusatresie häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung.

Eine EoE kann Reflux- und Stenosebeschwerden nachahmen oder verstärken. Wird sie übersehen, können wiederholte Dilatationen oder eine Antirefluxoperation erfolgen, ohne die zugrunde liegende Entzündung zu behandeln. Eine länger bestehende EoE kann zu fibrotischen Engstellen beitragen.

An eine EoE sollte insbesondere bei zunehmender Dysphagie, Bolusblockaden, Nahrungsvermeidung, Atopie oder wiederkehrenden beziehungsweise therapieresistenten Stenosen gedacht werden – auch wenn die Schleimhaut endoskopisch unauffällig erscheint.

Die Diagnose erfordert eine Endoskopie mit mehreren Biopsien aus verschiedenen Höhen der Speiseröhre. Die Behandlung richtet sich nach pädiatrisch-gastroenterologischen Standards und kann Protonenpumpenhemmer, geschluckte topische Steroide oder eine gezielte Eliminationsdiät umfassen. Verlauf und Stenosen werden endoskopisch kontrolliert.

Wie entwickelt sich unser Kind geistig und motorisch – und schaden die vielen Narkosen?

Studien zeigen bei einem Teil der Kinder motorische, sprachliche oder kognitive Auffälligkeiten, die Ergebnisse sind jedoch uneinheitlich. Ein Zusammenhang bedeutet nicht automatisch, dass eine Narkose die Ursache ist. Frühgeburtlichkeit, Herz- und andere Begleitfehlbildungen, schwere Infektionen, lange Intensivbehandlung und zahlreiche Eingriffe wirken als miteinander verknüpfte Einflussfaktoren.

Aus Beobachtungsstudien lässt sich der eigenständige Effekt einzelner Narkosen nicht sicher von der Schwere der Erkrankung trennen. Notwendige Operationen oder Endoskopien sollen deshalb nicht aus Angst vor einer Narkose unterlassen werden; unnötige Untersuchungen und vermeidbare Mehrfachnarkosen werden dagegen reduziert oder gebündelt.

Wir erfassen Entwicklung, Motorik, Sprache, Hören, Verhalten und Teilhabe im Verlauf. Bei Auffälligkeiten werden Frühförderung, Physio-, Ergo-, Sprachtherapie, Psychologie oder Sozialpädiatrie früh eingebunden.

Was ist mit Narbe, Brustkorb und Wirbelsäule?

Nach einem minimal-invasiven Eingriff bleiben wenige kleine Narben zwischen den Rippen, die mit dem Wachstum meist unauffällig werden. Nach einer offenen Brustkorberöffnung ist die Narbe größer; im Wachstum können Veränderungen der Brustwand und eine Verkrümmung der Wirbelsäule (Skoliose) auftreten. Auch angeborene Wirbelfehlbildungen im Rahmen einer VACTERL-Assoziation können dazu beitragen.

Deshalb gehören Rücken und Brustkorb zu jeder Nachsorgeuntersuchung, besonders in den Wachstumsschüben. Erkannt wird eine Skoliose früh; behandelt wird sie je nach Ausmaß mit Physiotherapie, seltener mit einem Korsett und nur in ausgeprägten Fällen operativ.

Was Sie tun können: Sport und Bewegung sind hier ausdrücklich Teil der Behandlung.

Welche Beschwerden haben Erwachsene mit Ösophagusatresie?

Eine systematische Übersichtsarbeit hat 16 Studien ausgewertet; das mittlere Alter lag bei etwa 27 Jahren. Es zeigten sich folgende Beschwerden:

  • Reflux: rund 42 %
  • Schluckstörungen: rund 58 %
  • Atemwegserkrankungen: rund 33 %
  • Barrett-Ösophagus: rund 12 %
  • Untergewicht: rund 20 %

Wie Sie diese Zahlen lesen sollten: Es handelt sich um Größenordnungen, nicht um Präzisionswerte – die Unterschiede zwischen den einzelnen Studien sind erheblich. Und: Reflux oder Schluckstörung heißt nicht automatisch Leidensdruck. Viele Erwachsene haben Beschwerden, die sich mit einfachen Maßnahmen gut kontrollieren lassen, und führen ein völlig normales Leben.

Stimmt es, dass unser Kind später ein erhöhtes Risiko für Speiseröhrenkrebs hat?

Menschen mit Ösophagusatresie haben häufiger chronische Entzündungen und Barrett-Schleimhaut als die Allgemeinbevölkerung. Ein Speiseröhrenkrebs bleibt dennoch sehr selten; das individuelle Risiko lässt sich nicht aus einzelnen Fallberichten ableiten.

Ein Barrett-Ösophagus ist eine Umwandlung der Schleimhaut und keine Krebserkrankung. Er kann durch langjährige Refluxbelastung begünstigt werden und ist ein Risikomarker, der bei Nachweis eine strukturierte gastroenterologische Überwachung erfordert.

Die veröffentlichten Häufigkeiten für Barrett-Schleimhaut unterscheiden sich erheblich, weil Studien unterschiedliche Altersgruppen, Endoskopieprogramme und histologische Definitionen verwenden. Krebsfälle sind selten, wurden bei Menschen mit Ösophagusatresie aber teilweise in jüngerem Alter als in der Allgemeinbevölkerung beschrieben. Die absolute Risikohöhe ist wegen kleiner und selektierter Kohorten nicht zuverlässig bezifferbar.

Was daraus folgt: Bereits in der Kindheit werden in unserem Zentrum Endoskopien nach Symptomen und zu definierten Kontrollzeitpunkten des EA-Nachsorgeprogramms durchgeführt. In der Transition erfolgt eine endoskopische Basisbeurteilung. Die weiteren Intervalle im Erwachsenenalter richten sich nach Schleimhautbefund und Histologie.

Die wichtigste Vorsorge ist eine lückenlose Transition mit dokumentierten Endoskopie- und Histologiebefunden. Wird Barrett-Schleimhaut festgestellt, gelten die etablierten Überwachungsintervalle der Erwachsenen-Gastroenterologie und eine Beurteilung durch erfahrene Endoskopie und Pathologie.

Fragen zur Nachsorge richten Sie bitte an unser Ösophagus-Team unter oesophagus@umm.de.

Was passiert, wenn unser Kind erwachsen wird?

Die Nachsorge endet bei uns nicht mit dem 18. Geburtstag. Ihr Kind wächst aus der Kindermedizin heraus – die Ösophagusatresie nicht.

Der Übergang von der Kinder- in die Erwachsenenmedizin ist eine bekannte Versorgungslücke. Gerade in dieser Phase können Spätfolgen unbemerkt bleiben: Eine Barrett-Schleimhaut verursacht häufig keine Beschwerden, und eine zunehmende Enge kann durch verändertes Essverhalten lange kompensiert werden.

Unsere Nachsorge endet daher nicht mit dem 18. Geburtstag. Wir begleiten Betroffene gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus der Erwachsenenmedizin. Für Erwachsene besteht zusätzlich NEKS, das Netzwerk für erwachsene Betroffene innerhalb von KEKS e. V.

Teil 8 – Unterstützung für Familien

Wo finden wir Austausch und Unterstützung?

Sie sind nicht allein. KEKS e. V. ist die Patienten- und Selbsthilfeorganisation für angeborene Erkrankungen der Luft- und Speiseröhre. Die Beratung ist kostenlos und erfordert keine Mitgliedschaft. Angebote sind unter anderem:

  • Gebührenfreie Medizin-Hotline: 0800 03 10 584 (montags 16–19 Uhr, mittwochs 9–12 Uhr); medizin@keks.org.
  • Kostenlose Beratung bereits bei Verdachtsdiagnose: Telefon 0711 400 99 40; info@keks.org.
  • Regionalgruppen, Bundestreffen sowie Eltern- und Familienseminare
  • Online-Beratung (KEKS-Online) und bundesweites Versorgungsnetzwerk (KEKS-NEXT).
  • NEKS – das Netzwerk für erwachsene Betroffene

Wir arbeiten eng mit KEKS e. V. zusammen und engagieren uns im Projekt KEKS-NEXT. Diese Partnerschaft hilft, Familien bestmöglich zu begleiten und Erfahrungswissen weiterzugeben.

Gibt es psychologische und sozialrechtliche Unterstützung – auch für uns als Eltern und für Geschwister?

Ja. Eine Ösophagusatresie betrifft nie nur das Kind, sondern die ganze Familie. Sorge, Erschöpfung, Anspannung bei jeder Mahlzeit, Schuldgefühle oder das Gefühl, nur noch zu funktionieren, sind verständliche Reaktionen – und kein Zeichen von Schwäche.

Auch für Ihr Kind selbst können Essen und Mahlzeiten mit den Jahren zur seelischen Belastung werden: Angst vor dem Steckenbleiben, Vermeidung von Essen in Gesellschaft, Rückzug bei Klassenfahrten oder Geburtstagen. Solche Themen gehören ausgesprochen, je früher desto besser.

Die Kinderpsychologie gehört fest zu unserem Team; auf Wunsch beziehen wir Eltern und Geschwister ein. Unser Sozialdienst berät außerdem zu Pflegegrad, Schwerbehindertenausweis, Rehabilitationsmaßnahmen, Fahrtkosten und Unterstützung bei weiter Anreise.

Wie ist die Qualität unseres Zentrums gesichert – und was bedeutet die KEKS-Zertifizierung?

KEKS e. V. ist die deutsche Patienten- und Selbsthilfeorganisation für Kinder und Erwachsene mit Erkrankungen der Luft- und Speiseröhre. Die EA-BestCert-Zertifizierung prüft definierte Qualitätskriterien für pränatale Beratung, Erstversorgung, Nachsorge im Kindesalter und Transition beziehungsweise Erwachsenenversorgung. Sie umfasst Eigenevaluation, Audit und regelmäßige Re-Zertifizierung.

Unser Zentrum ist auf Grundlage von Fallzahlen, Struktur- und Ergebniskriterien als ERNICA-Zentrum für Ösophagusatresie anerkannt.

Für die Ösophagusatresie entscheidend sind ein verbindlicher interdisziplinärer Behandlungspfad, regelmäßige Fallbesprechungen, spezialisierte Pflege, dokumentierte Komplikations- und Nachsorgeergebnisse sowie die Beteiligung von Familien und Patientenorganisationen. Fallzahlen unterstützen Erfahrung; Ergebnisqualität muss zusätzlich gemessen und transparent berichtet werden.

Teil 9 – Für zuweisende Ärztinnen und Ärzte

Wie kann ich ein Kind anbinden?

Wir beraten bei pränatalem Verdacht, neu diagnostizierter Ösophagusatresie oder tracheoösophagealer Fistel sowie bei Dysphagie, Bolusblockaden, Stenosen, Reflux, eosinophiler Ösophagitis, Tracheomalazie, Re-Fistel, Long-Gap-Verlauf oder Fragen der Transition. Diagnostik und Therapie stimmen wir mit der wohnortnahen Pädiatrie ab; geeignete Kontrollen können heimatnah erfolgen, komplexe Entscheidungen und definierte Nachsorgetermine im Zentrum.

Terminvereinbarung über Doctolib, telefonisch unter 0621 383-4681 oder per E-Mail an oesophagus@umm.de.

Für akute Rückfragen – Neugeborenes mit Verdacht, Bolusblockade, respiratorische Verschlechterung oder Transportabsprache – erreichen Sie uns rund um die Uhr unter 0621 383-1616. Bitte rufen Sie in diesen Situationen direkt an und warten Sie nicht auf eine E-Mail-Antwort.

Was ist bei einem Neugeborenen mit Verdacht sofort zu tun?
  • Nichts oral geben; keine Trinkprobe durchführen.
  • Oberkörper erhöht lagern und eine Replogle-Sonde in den oberen Blindsack einlegen; kontinuierliche Niederdruckabsaugung und regelmäßige Funktionskontrolle.
  • Kardiorespiratorisches Monitoring, venösen Zugang sowie altersgerechte Flüssigkeits- und Glukosezufuhr sicherstellen.
  • Maskenbeatmung und nichtinvasiven positiven Druck möglichst vermeiden, da bei distaler Fistel eine ausgeprägte Magen-Darm-Insufflation entstehen kann. Wenn Atemunterstützung erforderlich ist, früh Neonatologie, Kinderanästhesie und Kinderchirurgie einbeziehen.
  • Diagnose mit vorsichtig vorgeschobener röntgendichter Sonde und Röntgenaufnahme von Thorax und Abdomen sichern; keine gewaltsamen Sondierungsversuche und keine routinemäßige Kontrastmittelgabe in den oberen Blindsack.
  • Echokardiografie mit Aortenbogenlage, Nieren-/Abdomensonografie und klinisches VACTERL-Screening veranlassen, sofern der Zustand dies erlaubt.
  • Frühzeitig das Zielzentrum kontaktieren und den Transport erst nach Atemwegs- und Kreislaufstabilisierung organisieren.
Wann ist bei einem bereits operierten Kind eine Rücksprache sinnvoll?
  • Bolusblockade mit Unfähigkeit, Speichel zu schlucken, oder wiederholte Essensblockaden.
  • Atemnot, blaue Anfälle (blue spells), Husten beim Trinken, wiederkehrende Aspiration oder Pneumonien.
  • Zunehmende Dysphagie, lange Mahlzeiten, Nahrungsvermeidung oder Abknicken der Wachstumskurve.
  • Rezidivierende beziehungsweise refraktäre Anastomosenstenose, Verdacht auf eosinophile Ösophagitis oder Re-Fistel.
  • Objektiv relevanter Reflux, Schleimhautschaden, Barrett-Befund oder unklare Indikation zu Fundoplicatio.
  • Fehlende Transition oder Verlust der spezialisierten Nachsorge im Jugend- und Erwachsenenalter.
Welche Unterlagen erleichtern eine Zweitmeinung oder Übernahme?
  • Pränatale Befunde, Geburtsbericht und Angaben zu Atresietyp, Geburtsgewicht und Begleitfehlbildungen.
  • Operationsberichte, Anästhesie- und Intensivverlauf sowie Angaben zu Anastomosenspannung, Drainage und postoperativer Ernährung.
  • Bronchoskopie-, Laryngoskopie-, Endoskopie- und Histologiebefunde.
  • Kontrastdarstellungen und weitere Bildgebung möglichst im DICOM-Format.
  • Dokumentation aller Dilatationen, Reflux- und eosinophile Ösophagitis-Therapien, Bolusblockaden sowie Wachstums- und Ernährungskurven.
Was zeichnet das Zentrum in Zahlen aus?

Stand August 2026 führen wir jährlich rund zehn primäre Korrekturoperationen bei Ösophagusatresie durch. Die deutsche Analyse der Jahre 2016–2022 zeigte eine mediane jährliche Fallzahl von ein bis zwei Korrekturoperationen pro Klinik. Zusätzlich behandeln wir komplexe Zuweisungen, unter anderem Long-Gap-Verläufe, Re-Fisteln, ausgeprägte Tracheomalazien und therapieresistente Stenosen.

Weitere aktuelle Strukturkennzahlen des Zentrums sind rund 150 Thoraxeingriffe, rund 400 endoskopische Eingriffe pro Jahr und etwa 300 Menschen in der Ösophagusnachsorge.

Das Zentrum ist als ERNICA-Zentrum für Ösophagusatresie anerkannt und nach den jeweils gültigen KEKS-EA-BestCert-Kriterien zertifiziert.

Medizinische Grundlagen – Auswahl
  • Grundlagen dieser Fassung sind die ERNICA-Konsensuspapiere zur perioperativen und langfristigen Versorgung der Ösophagusatresie, der ERNICA-Konsensus zur Long-Gap-Ösophagusatresie, die ESPGHAN-/NASPGHAN-Empfehlungen zu gastrointestinalen und ernährungsmedizinischen Folgen sowie aktuelle publizierte deutsche Versorgungsdaten.
  • Interdisziplinärer Mannheimer Behandlungspfad und strukturiertes Nachsorgeprogramm, Redaktionsstand August 2026.
Kontakt Nachsorge

Leitung Nachsorge: Univ.-Prof. Dr. med. Michael Boettcher

Ösophagus-Lotsin: Morvarid Jones

Telefon Nachsorge und Terminvereinbarung: 0621 383-4681

Notfall und akute Rückfragen rund um die Uhr: 0621 383 -1616

E-Mail: oesophagus@umm.de